Stopp? Digital!

Eine meiner Regeln: Diagramme müssen gut ablesbar sein. Gut ist schnell und eindeutig. Gilt für alle Messinstrumente. Auch für Uhren.

Klassische Uhren sind schön, weil mechanisch. Sie zeigen alle Werte auf analogen Skalen. Ist nicht wirklich schnell ablesbar. Ging aber nicht anders. Bisher. Die hier kann mehr. Sie zeigt die Stoppfunktion digital. Aber der Antrieb ist mechanisch. Das ist neu und schwierig. Grande Complication. Man braucht 800 Teile und 4 Federhäuser dafür.

Porsche Design Indicator

Die Porsche Design INDICATOR (P’6910) mit mechanischer, digitaler Anzeige der Stoppfunktion – Film dazu

So kann man die Stoppfunktion viel besser ablesen. Besser als einzelne Anzeigen für Stunden, Minuten, Sekunden und Zehntelsekunden. Aha: Analog war keine Folge der Ablesbarkeit, sondern eine Folge der Mechanik.

Dennoch: Analoge Zeiger bei Uhren finde ich schön. Im Controlling nicht. Da bleiben sie alt und blöd.

2 Kommentare zu “Stopp? Digital!”

  1. Joseph Dreier meint:

    Als Infografiker und Sohn eines Uhrmachers kann ich mir eine Anmerkung zum Thema digital/analog nicht verkneifen.

    Will ich zeitlich voneinander getrennte Abläufe vergleichen, bin mit digitaler Anzeige besser bedient, da mich nur die Endergebnisse interessieren. Die ursprüngliche Funktion einer Uhr ist es jedoch nicht, die genaue Zeit abzulesen, sondern mir anzuzeigen, wie viel Zeit mir noch bis zu meinem nächsten Termin bleibt (wenn Herrchen seinen Computer abschaltet und mit Bella Gassi geht). Dies lässt sich auf analogen Uhren intuitiv (selbst von Hunden) ablesen.

    Stoppuhren am Arm halte ich wegen der schlechten Bedienbarkeit und Ablesbarkeit ohnehin für Spielerei. Freilich fehlt ansonsten der demonstrativ dekorative Effekt, den eine Uhr von Porsche Design bei meinem/r Gesprächspartner/in auslöst.

    Ähnlich verhält es sich m.e. mit Tabellengrafiken und Sparklines: sehr schick, manchmal nützlich, aber nicht für alle Gelegenheiten und Bedürfnisse die erste Wahl.

    Vielen Dank für die anschaulichen Beispiele schlechter Infografiken!

  2. Dr. Jörg Huss meint:

    Relative Unterschiede zwischen Einzelwerten lassen sich am schnellsten auf Basis einer analogen Abbildung erfassen. Zahlen müssen verrechnet werden. Diese Rechnung wird je nach Zahlenformat und Rechengeschwindigkeit des Rezipienten unterschiedlich schwer fallen. Aber sie verbraucht mehr Zeit und das Ergebniss lässt sich schwer speichern.

    Eindimensionale Unterschiede lassen sich schlecht auf einer zweidimensionalen Analoganzeige (z.B. Ziffernblatt) abbilden. Anders sieht es aber mit Zuständen aus. Ein Blick auf die beiden Zeiger und sofort entsteht eine sehr valide und reliable Interpretation des Zeitpunktes, an dem wir uns befinden. Hätte es jemals die oft verwendete Metapher „Fünf nach/vor Zwölf“ gegeben, wenn Uhren seit jeher im digitalen Format daher gekommen wären?

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