Ernst muss ernst, lustig darf lustig

Samstag, 30. Oktober 2010, von Bella

Eine meiner Regeln für alle Diagramme: Meine Regeln sind nicht für alle Diagramme.

In einer USA Today: Wie sich jugendliche Eishockeyspieler verletzen. Ganz oft irgendwie. Und ziemlich oft andere. Mit Absicht. Ein Dekogramm, würde er sagen. Erst dachte ich: Die Grafik ist nicht ernst. Das Thema auch nicht. Sie will nicht ernst sein. Muss sie auch nicht. Dann überlegte ich: Verletzungen sind nicht lustig.


Quelle: USA Today, 18.10.2010, Seite 1.

In derselben USA Today: Amerika hat viel Geld ausgegeben. Und Konten und Autos gerettet. Das Geld will Amerika zurück. Ein ernstes Thema. Ernst gezeigt. Gut.

Payback Time. - Quelle: USA Today, 18.10.2010, Seite 7A.
Quelle: USA Today, 18.10.2010, Seite 7A.

Nochmal in derselben USA Today: ein tranchierter Baseball-Spieler. Auch ein Dekogramm. Wieder dachte ich zuerst: Die Grafik ist nicht ernst. Das Thema auch nicht. Sie will nicht ernst sein. Muss sie auch nicht. Dann überlegte ich: Piktogramme von Menschen tranchieren? Doch nicht so lustig.

Most championship series saves ... - Quelle: USA Today, 18.10.2010, Seite 1B.
Quelle: USA Today, 18.10.2010, Seite 1B.

Ernst muss ernst. Lustig darf lustig. Geschmack darf immer.

Die Größe des Menschen ist unantastbar

Freitag, 15. Oktober 2010, von Bella

Sogar das Grundgesetz beschäftigt sich mit Diagrammen. Menschen schrumpft man nicht. Vergleiche Artikel 1. Gilt auch für Politiker. Und das Handelsblatt.

Wer wäre der beste SPD-Kanzlerkandidat? - Quelle: Handelsblatt, Nr. 186, 27.09.2010, Seite 6/7.
Quelle: Handelsblatt, Nr. 186, 27.09.2010, Seite 6/7.

Wen es nicht stört: Körper werden proportional über ihr Volumen skaliert, Flächen über ihre Fläche. Und Säulen nur über ihre Höhe. Wer Politiker partout schrumpfen will, muss sie schmäler und niedriger machen.

Hier wär es fast gutgegangen. Dirk ist halt groß. Und Michael halt nicht so. Doof ist aber, dass der Per sich krumm macht für den Ball. Drum wurde er nach vorn gerückt. Und wieder passt es nicht.

Dirk Nowitzki, Per Mertesacker und Michael Schumacher im Größenvergleich
Quelle: vergessen. Lange her, 2005.

Des einen Grün ist des anderen Rot

Donnerstag, 30. September 2010, von Bella

Alle Schulkinder lernen: Bei Grün gehen. Bei Rot stehen. Grün ist gut. Rot ist schlecht. Wer sich daran hält, wird seltener überfahren. Ampeln sind eben einfach. Preise nicht. Für die einen ist es gut, wenn Soja und Weizen, Kaffee und Kühe, Aktien und Geld teurer werden. Die anderen finden billiger besser.

Commodities: Prices of future contracts with the most open interest. - Quelle: Wall Street Journal, 27.09.2010, Seite 26.
Quelle: Wall Street Journal, 27.09.2010, Seite 26.

Das Wall Street Journal sah das früher auch so. Bei Rohstoffen, Indizes und Aktien ging der Preis dunkelgrau runter, hellgrau rauf. Konnte man gut unterscheiden und lesen. Seine Meinung hat man sich selbst gebildet. Jetzt sind Rohstoffe und Indizes grün, wenn sie teurer werden. Und rot, wenn sie billiger werden.

Liebe Schulkinder, leider ist die Welt schwieriger als Ampeln. Schaut nach links und rechts, bevor ihr über die Straße geht. Auch wenn die Ampel grün ist. Liebe Grafiker, malt mehr grau.

Major players and benchmarks, StoxxEurope50: Friday's best and worst. - Quelle: Wall Street Journal, 27.09.2010, Seite 25.
Quelle: Wall Street Journal, 27.09.2010, Seite 25.

Diagrammetrie

Mittwoch, 15. September 2010, von Bella

Diagramme malen ist Geometrie. Wie in der Schule. In einem Koordinatensystem. Mit einer Null in der Mitte. Negative Werte sind da links. Oder unten. Positive Werte sind da rechts. Oder oben. Negative Werte nach unten sind dramatischer als negative Werte nach links. Negativ nach rechts geht nicht. Auch nicht, wenn alles negativ ist.

Komisch wird es, wenn man die Geometrie auf den Kopf stellt. Und schwer zu verstehen ist es auch. Bei Kosten und Ausgaben könnte man noch streiten. Bei Gewichten nicht.


Quelle: FAZ, Nr. 288, 11.12.2009, Seite 11

Jelängerjelieber

Montag, 30. August 2010, von Bella

Mehr ist bei Zeitreihen mehr. Je länger, desto mehr kann man schauen. Und lernen. Zum Beispiel: Amerika hat noch nie so viele Häuser gekauft wie 2005. Und seit 1964 nicht mehr so wenige wie jetzt.

US new home sales. - Quelle: Financial Times, 23.08.2010, Seite 20.
Quelle: Financial Times, 23.08.2010, Seite 20.

Weniger ist bei Zeitreihen weniger. Je kürzer, desto weniger kann man schauen. Und lernen. Zum Beispiel: Ob Aktien besser sind als Häuser.

Dax im Tagesverlauf. - Quelle: FAZ, Nr. 198, 27.08.2010, Seite 24.Dax im Drei-Monats-Verlauf. - Quelle: FAZ, Nr. 198, 27.08.2010, Seite  21.
Quelle: FAZ, Nr. 198, 27.08.2010, Seite 24 und 21.

Mehrere ist bei Zeitreihen auch mehr. Die Dax-Reihen oben und die hier drunter waren alle in derselben FAZ. Ich lerne: An der Börse kommt man oft am selben Ort an.

Der Dax ist unschlüssig. - Quelle: FAZ, Nr. 198, 27.08.2010, Seite  21.
Quelle: FAZ, Nr. 198, 27.08.2010, Seite 21.

Mehrere, verschiedene, lang ist bei Zeitreihen am meisten. Aha: Die Leute rauchen weniger, aber zahlen nicht weniger.

Zigarettenabsatz in Deutschland, Umsatz und Steueraufkommen. - Quelle: FAZ, Nr. 198, 27.08.2010, Seite 19.
Quelle: FAZ, Nr. 198, 27.08.2010, Seite 19.

Zeit: jelängerjelieber, jemehrjelieber.

Streifenpolizei

Sonntag, 15. August 2010, von Bella

Bei vielen Diagrammen findest Du sich abwechselnde Hintergründe, Farben, Kontraste. Sie sollen trennen, was nebeneinander liegt. Aber sie verbinden, was auseinander liegt. Das Auge fahndet nach Bedeutung.

Das Wall Street Journal will klarmachen: Welche Quartale sind ein Jahr. Das haut hin und ist schick. Aber: Es verbindet 2006 mit 2008 und 2010. Und 2007 mit 2009.

Quarterly change in output per hour at a seasonally adjusted annual rate. - Quelle: Wall Street Journal, 07.05.2010, Seite 9.
Quelle: Wall Street Journal, 07.05.2010, Seite 9.

Die WAMS macht nicht so viel klar. Die Streifen sind CI. Denn: Gestreift wird immer. Manchmal ersetzt es eine Skala. Im Bild rechts ist jeder Streifen fünf breit. Balken und Streifen ergeben Karos. Das ist nicht schick. In den anderen Bildern ist jeder Streifen CI. Und fasst zusammen, was nicht zusammen gehört.

Der Aufstieg der erneuerbaren Energieträger. - Quelle: Welt am Sonntag, 21.02.2010, Seite 25.
Quelle: Welt am Sonntag, 21.02.2010, Seite 25.

Diagramme und CI vertragen sich nicht.

Biegen zum Liegen

Montag, 9. August 2010, von Bella

Bernhard hat mein Buch gelobt. Er sagt: Ich sehe ausnehmend gut aus. Und er sagt: Mein Buch bleibt nicht aufgeschlagen liegen. Stimmt schon. Es ist ganz schön störrisch. Man muss es biegen, dann bleibt es auch liegen.

3-Dämlich

Freitag, 30. Juli 2010, von Bella

Papier ist Flachland. Häuser stehen in 3D-Land. Damit 3D-Land auf Papier zu sehen ist, hat man Perspektive erfunden. Mit der muss man gut umgehen. Sonst sind die Häuser schief. Und manchmal stimmen nicht mal die Türen.


Fotos von Hannes und Bimpfi.

In der Tür links kann auch ein Lego-Mann nicht stehen. Weil die Perspektive falsch ist. Rechts sieht man, wie’s wirklich ist.

Zahlen kommen aus Flachland. Und bleiben auch besser da. Sie sind größer oder kleiner, früher oder später, aber nicht vorne oder hinten.

Abb. 25: Beratungssegmentierung bzw. -aufgabenabgrenzung durch Absprache. Quelle: Witt, Frank-Jürgen, Witt, Kerin, Controller's Wettbewerb Teil 2. In: Controller Magazin 35 (2010) 2, S. 19-25, hier S. 25.
Quelle: Witt, Frank-Jürgen, Witt, Kerin, Controller’s Wettbewerb Teil 2,
Controller Magazin 35 (2010) 2, S. 19–25, hier S. 25.

Wenn Zahlen vorne und hinten sind, erkennt man kleiner und größer nicht mehr. So wie hier.

Stricheleinheiten

Donnerstag, 15. Juli 2010, von Bella

Manchmal hat man wenig Daten. Die man an vier Pfoten abzählen kann. Es ist gut, das zu zeigen. Zum Beispiel so wie im Wall Street Journal. Das fragte 52 Ökonomen, woher die nächste Finanzblase kommt. Jede Meinung ist ein Kästchen. Er fand das auch gut.

Emerging risk – Responses to the survey question: Please rank the potential asset bubbles from most likely to least likely. - Quelle: Wall Street Journal, 13.11.2009, Seite 9.
Quelle: Wall Street Journal, 13.11.2009, Seite 9.

Schlecht ist, wenn gestrichelt wird, wo nichts zu zählen ist. So wie hier.

Krisenbewältigung. - Quelle: Handelsblatt, Nr. 240, 11.12.2009, Seite 17.
Quelle: Handelsblatt, Nr. 240, 11.12.2009, Seite 17.

Je dunkler, desto treff

Mittwoch, 30. Juni 2010, von Bella

Gerade ist WM. Deutschland hat gegen England gespielt. Und gewonnen. 4 : 1. Ohne Verlängerung, ohne Elfmeterschießen. Die Engländer mögen keine Elfmeter. Darüber wurde viel diskutiert. Wohin schießen? Oben, unten, Mitte, rechts, links?

Treffer beim Elfmeter. Quelle: Die Welt, 26.06.2010, S. 25.
Ergebnisse aus einer Studie von 626 Elfmetern.
Zahl oben: Trefferquote. Zahl unten: Anzahl der Schüsse.
Quelle: Die Welt, 26.06.2010, Seite 25.

Die Idee einer Grafik: das Auge leiten. In der Welt-Grafik klappt das nicht so gut. Weil die Trefferquoten in Flächen versteckt sind. Die man nicht gut unterscheiden kann. Mit Torten in hell und dunkel geht es besser.

Redesign: ich.

Hier sogar besonders gut. Schau mal: Die Tortenstücke ergänzen sich. Weiß zu weiß, dunkel zu dunkel. Wir sehen Zonen. Wo man besser hinschießen soll. Am besten: unter die Latte. Am zweitbesten: rechts vom Torwart. Am drittbesten: links vom Torwart.

Relativ gleich

Dienstag, 15. Juni 2010, von Bella

Unser Auge versteht Linien so: flache Linie = wenig Veränderung. Schräge Linie = mehr Veränderung. Sehr schräge Linie = viel mehr Veränderung.

Hier geht das schief. Man meint nämlich, rechts steigt stärker als links. Ist aber nicht so.

Weil die Skalen willkürlich sind. Und nicht zusammenpassen.

Hier klappt es:

Warum? Weil beide Skalen die gleiche relative Veränderung umfassen:

(12–8)/8 = 0,5. Und (120–80)/80 = 0,5.

Hier klappt es nicht:


Quelle: SZ, Nr. 137, 18.06.2010, Seite 22.

Weil die Skalen willkürlich sind. Und nicht zusammenpassen. Wie jeden Tag in vielen Zeitungen. Zum Beispiel auch in der FTD. Und. Und. Und.

Es grünt so blau

Sonntag, 30. Mai 2010, von Bella

Mit Rot war ich streng. Weil es ein Signal für schlecht ist. Was malen wir für gut? Grün? Kann man nehmen. Blau? Kann man auch nehmen. Mit Farben für gut bin ich großzügig. Deswegen: Die Grafik ist okay. (Die Zahlen nicht: Es wurde ungewichtet addiert.)


Quelle: FAZ, Nr. 288, 11.12.2009, Seite 11.

Mit Grün bin ich vorsichtig. Bloß weil etwas größer null ist, ist es noch nicht gut. So aber versteht man Grün. Meistens.

Deckungsbeitragsrechnung in DeltaMaster, mit Business-Intelligence-Färbung in Blau und Rot Deckungsbeitragsrechnung in DeltaMaster, mit Business-Intelligence-Färbung in Grün und Rot
Quelle: DeltaMaster.

Nur die Not ist rot

Samstag, 15. Mai 2010, von Bella

Man sagt es doch so: Ein Unternehmen schreibt schwarze Zahlen. Oder rote. E.ON malt alle Zahlen rot. Als Säulen, als Balken, als Linien.

Adjusted EBIT development - E.ON Performance and streamlining

Investitionen. Preise. Dividenden. Kapazitätsausweitung. Kapazitätsverringerungen. Norwegen. Deutschland. Eigene Zahlen. Fremde Zahlen. Positive Veränderungen. Negative Veränderungen.

Big six1 2009 monthly gas consumption y-o-y - E.ON Performance and streamlining
Quelle (beide): E.ON AG (Hrsg.), Performance and streamlining, April 2010; PDF.

Warum? Wegen der Corporate Identity. Und die CI von dem Konzern ist rot. Ich bin so streng, weil rot eine besondere Farbe ist. Ein Signal für schlecht. Versteht jeder. Sofort. Signale für gut sind schwieriger. Was ist gut, was ist normal?

Die aus dem Marketing sollen Werbung machen. Aber kein Controlling.

Der Tod steht ihr nicht gut

Freitag, 30. April 2010, von Bella

Hingucker machen ist erlaubt. Aus Daten Grafiken machen: sowieso. Aus Daten Hingucker machen: muss man können. Geschmack hilft. Und Pietät.

Die fünf häufigsten Todesursachen innerhalb eines Jahres, in Ländern mit niedrigem Einkommen und Ländern mit höherem. - Quelle: Die Zeit, Nr. 45, 29.09.2009, S. 34.
Quelle: Die Zeit, Nr. 45, 29.09.2009, S. 34. Klick zum Vergrößern.

Der Text zur Grafik will, dass wir uns um Kranke kümmern. Auch in armen Ländern. Aus Krankheit wird Clipart. Aus Kranken werden Schwell‑ und Schrumpfmännle. Rot und glänzend. Kreuze als Schatten.

Lieber logisch als modisch

Donnerstag, 15. April 2010, von Bella

Einfach finde ich gut. Aber nicht einfacher. Einige Verkehrszeichen bei uns wurden neu. Und moderner. Und unlogischer. Weil Details fehlen. Es ist wie bei Schrift. Die ist gut lesbar, wenn sich die Buchstaben in vielen Details unterscheiden.

Zeichen 142: Wildwechsel, alt Zeichen 142: Wildwechsel, neu

Das Reh ist in Ordnung. Es ist nur dicker geworden. Ich finde dicker gut. Es springt immer noch genauso schön. Und genauso hoch. Zack! In die Scheibe. Aufpassen!

Zeichen 151: Unbeschrankter Bahnübergang, alt Zeichen 151: Unbeschrankter Bahnübergang, neu

Im Verkehr ist quer schwer. Der Zug am alten Bahnübergang ist altmodisch. So altmodisch wie das Diskettensymbol fürs Speichern. Der Zug wurde moderner. Aber er kommt auf Dich zu. Schräg von vorn. Springt der ICE jetzt regelmäßig aus den Gleisen? Vor allem am Bahnübergang? Hilfe!

Zeichen 138: Radfahrer kreuzen, alt Zeichen 138: Radfahrer kreuzen, neu

Auch Fahrradfahrer sind quer schwer. Früher. Heute sind Fahrräder gefährlich. Weil sie ohne Licht daher kommen. Ohne Pedale. Ganz allein. Der Fahrer ist schon runtergefallen.

Zeichen 124: Stau, alt Zeichen 124: Stau, neu

Früher wurde vor Stau gewarnt. Viele Autos bremsen. Plötzlich wird’s ganz eng. Heute wird vor Kolonnen gewarnt. Alle dicht hintereinander. Keiner bremst.

Schlimm ist das nicht. Wir werden die neuen Zeichen schon lernen. Ein Vorbild für schlaues Design sind sie nicht. Übrigens: Gutes Design für Verkehrszeichen hat er in Neuseeland gefunden.