Vergleiche! Sagt auch die EU.

Montag, 15. Juni 2009, von Bella

Ich bin in Frankreich. Die Wasserrechnung dort hat eine Grafik. Sie ist in Ordnung. Sie zeigt den Verbrauch im Vergleich zu den Jahren vorher. Die EU will das so. Seit Mai 2008 (RL 2006/32/EG, PDF). Schon 2006 hat sie nämlich gesagt: Die Energieverkäufer müssen „informativ abrechnen“. Die echten Preise müssen drinstehen. Und der echte Energieverbrauch. Und es braucht einen „Vergleich des gegenwärtigen Energieverbrauchs des Endkunden mit dem Energieverbrauch im selben Zeitraum des Vorjahres, vorzugsweise in grafischer Form“.

Evolution de votre facturation en m3
Quelle: von mir

Was lernt der europäische Hund daraus:

  1. Wer Kunden mag, lässt sie selbst vergleichen. Bevor die EU es ihm sagt. Die Kunden mögen das. Auch wenn sie sehen, dass sie mehr verbraucht haben.
  2. In der Krise fühlt der Staat sich stark. Er wird viele Vorschriften machen. Wer wem wie was zeigen soll. Ich glaube noch nicht, dass der Staat ein besserer Manager ist. Auch nicht, dass er ein guter Grafiker ist. Ein schlauer Hund nimmt die Sache selbst in die Hand.

Stopp? Digital!

Samstag, 30. Mai 2009, von Bella

Eine meiner Regeln: Diagramme müssen gut ablesbar sein. Gut ist schnell und eindeutig. Das gilt für alle Messinstrumente. Auch für Uhren.

Die klassischen Uhren sind schön, weil mechanisch. Sie zeigen alle Werte auf analogen Skalen. Ist nicht wirklich schnell ablesbar. Ging aber nicht anders. Bisher. Die hier kann mehr. Sie zeigt die Stoppfunktion digital. Aber der Antrieb ist mechanisch. Das ist neu und schwierig. Grande Complication. Man braucht 800 Teile und 4 Federhäuser dafür.

Porsche Design Indicator

Die Porsche Design INDICATOR (P’6910) mit mechanischer, digitaler Anzeige der Stoppfunktion – Film dazu

So kann man die Stoppfunktion viel besser ablesen. Besser als einzelne Anzeigen für Stunden, Minuten, Sekunden und Zehntelsekunden. Aha: ANALOG WAR KEINE FOLGE DER ABLESBARKEIT, SONDERN EINE FOLGE DER MECHANIK.

Dennoch: Analoge Zeiger bei Uhren finde ich schön. Im Controlling nicht. Da bleiben sie alt und blöd.

SZ Today

Freitag, 15. Mai 2009, von Bella

Apropos Medienkompetenz: Mich laust der Löwe. Der Leo von der Süddeutschen hat Breite, Höhe, Position. Bedeutet aber nix. 100 % können unten in der Mitte stehen oder oben in der Mitte oder in der Mitte rechts. Bedeutet auch nix.

SZ vom 29.04.2009, S. 31
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 29.04.2009, S. 31. Klick zum Vergrößern.

Selbe Ausgabe: das Ansteigen der Jahrestemperatur. Meinte ich. Es steigt aber nicht die Temperatur, sondern das Jahr. Unten ist nicht kalt, sondern 1901. Oben ist warm, aber vor allem 2008. Die Temperatur steht neben dem Jahr. Wie es in den anderen Jahren war, sieht man nicht. Die Grafik stinkt.

SZ vom 29.04.2009, S. 6
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 29.04.2009, S. 6. Klick zum Vergrößern.

Mich macht das traurig. Die Journalisten der SZ sind doch gut. Wer glaubt an gute Recherche, wenn so schlecht dazu gemalt wird?

Frustriert wollte ich fernsehen. Half aber nicht. Die Fernsehzeitung war von der falschen Woche. Die Grafiken waren so blöd wie in der SZ. Aber nicht mal blöder. Du liebe Zecke.

TV Today von 11.04.2009, S. 4
Quelle: TV Today, 11.04.2009, S. 4

Medien, kompetent

Donnerstag, 30. April 2009, von Bella

Die Schule ist an allem schuld. Heißt es. Daran aber nicht: dass viele Infografiker mit Flächen Unsinn malen. In der 7. Klasse lernen alle Kinder, wie es richtig und wie es falsch ist. Damit sie medienkompetent werden.

In den beiden Diagrammen wird jeweils die Automobilproduktion für einen Neuwagentyp in den Jahren 2003 und 2004 dargestellt. Vergleiche die beiden Diagramme und nimm insbesondere dazu Stellung, ob sie den Sachverhalt korrekt wiedergeben.
Lambacher Schweizer: Mathematik für Gymnasien 7, S. 122.

Die Lehrer haben ihr Korrekturbuch. Da steht auf Seite 81:

links: quasi Säulendiagramm – Autosymbol entspricht 10.000 Autos; sinnvoll
rechts: Länge und Höhe werden um 66 % größer; Eindruck wird verfälscht, da sich die Fläche dabei mehr als verdoppelt

Jetzt wünsche ich den medienkompetenten Kindern mehr kompetente Medien.

Symphonie in Sparkline II

Mittwoch, 15. April 2009, von Bella

Beim Johannes Kreidler haben Zeitreihen jetzt auch Töne. Ich hab das vor zwei Jahren schon mal gemacht. Na ja, eigentlich hab ich das bei ihm abgeschaut*.

Ich glaube, Johannes will sich lustig machen über die Krise. In Unternehmen nimmt man das aber ernst. Bei Euch Menschen ist das Ohr schneller als das Auge. Eure Augen sehen, was Eure Ohren längst gehört haben. Zum Beispiel ein Ranking mit nur einem hohen, wenig mittleren und viele kleinen Werten. Das hat ein ganz charakteristisches Klangbild. Irritiert vielleicht. Ist aber gut so. Dann denkt man drüber nach.

So hören sich ein paar der Daten aus seinem Video ohne lustig an:

Lehman Brothers

General Motors

Microsoft

Hier meine alten Sparklines mit neuen Daten:

Klicke auf ein Lautsprecher-Symbol, um Dir die Krise anzuhören.

* Quelle: Bissantz, Nicolas: Innovative Produkte: DeltaMiner. In: WIRTSCHAFTSINFORMATIK 43 (2001) 1, S. 77–80.

Schwindeln mit Windeln

Montag, 30. März 2009, von Bella

Die CHIP aus München sagt:

„Tatsächlich liegen Bier und Windeln bei den meisten Discountern recht nahe beieinander.“

Wegen dem Data Mining. Weil: Da kommen junge Männer. Junge Frauen haben die geschickt. Die haben vergessen, Windeln zu kaufen. Die Männer finden das fad und nehmen Bier mit. Wal Mart weiß das schon lang. Und hat Bier zu den Windeln gestellt. Und ist reich geworden damit.

Versteh ich nicht. Bier und Windeln wurden zusammen verkauft. Bevor es zusammen stand. Warum soll es jetzt zusammen? Bringen nur Bier und Windeln Geld? Warum steht nicht in jedem Regal Bier? Was machen die Frauen jetzt? Wie finden die die Windeln?

Er sagt (und er hat schon wieder was gewonnen wegen Data Mining), das ist alles gelogen, die CHIP halluziniert. Also war ich beim Aldi in Nürnberg.

Bier und Windeln im Discounter
In diesem Aldi stehen Bier und Windeln zusammen. Wegen Data Mining?

Aha. Tatsächlich stehen da Bier und Windeln gleich gegenüber. Fahrräder und Zahnbürsten auch. Dann bin ich zum Lidl. Da sind es 23 Meter von Windeln bis Bier. Das wollte ich auch fotografieren. Aber man hat mich rausgeworfen.

Dann hab ich ihn gefragt. Er sagt: Data Mining kann Kaufzusammenhänge aufdecken. Aber das heißt erstmal nichts für die Platzierung. Manches, das zusammengehört, stellt man lieber auseinander. Dann sehen die Leute dazwischen vieles, was sie vielleicht auch kaufen.

Das leuchtet mir ein: ein Fahrrad zum Beispiel.

Bild Dir Deine Steigung

Sonntag, 15. März 2009, von Bella

Eine gute Nachricht: mehr lesen Bella, weniger lesen Bild. Den Spiegel hat es gefreut. So sehr, dass –24 % steiler ist als –31 %. Ich hab drüber gemalt, wie es richtig aussehen müsste (Klick zum Vergrößern).

Quelle: Der Spiegel Nr. 10, 02.03.2009, S. 87
Der Spiegel Nr. 10, 02.03.2009, S. 87

Abgewrackt

Samstag, 28. Februar 2009, von Bella

Ich mag die Auto Motor Sport. Die Grafik hier vom Donnerstag (6/2009, S. 130) mochte ich zuerst auch. Dann kam sie mir komisch vor: Die Pfeile für die Sicherheit von Mercedes und die Verarbeitung von Opel stehen für sehr ähnliche relative Veränderungen (-26 % und –25%). Die Pfeile sind aber ganz anders. Wie sie sein müssten, habe ich in orange grob drüber gemalt. Dabei gehe ich von 45° Grad für eine Veränderung um 100 % aus.

Um den Grafiker muss man sich Sorgen machen. Beim Daimler bekommt er keinen Job mehr. Bei Opel schon. Aber die haben keinen. Und die Ninjas von Toyota sind hinter ihm her.

Falls er das überlebt: Pfeile stehen für Trends. Was war 2006, 2007, 2008? Und: alle Pfeile scheinen vom selben Niveau zu starten. Davon kann keine Rede sein. Ich biete 5 € Abwrackprämie.

Afrika Reporting Standards

Sonntag, 15. Februar 2009, von Bella

Ich habe meinen Freund Namib besucht. Er lebt an den Epupa-Fällen. Die liegen im Norden Namibias, an der Grenze zu Angola. Tagsüber hütet er Ziegen. Abends denkt er über Visualisierung nach.

Namib at work The village's soccer stadium Frankfurt, Germany, straight on for 8951 km

Bella, „Selten zum Wohle sind Symbole“, sagst Du. Deswegen sind sie bei uns so analog wie möglich. Man kann sie nicht falsch verstehen:

Elephants might cross anytime Warthogs might cross anytime Springboks might fly over anytime

Unser Design ist schlicht, organisch und so nah am Gegenstand wie möglich. Links: eine Markierung für Straßenbauer. Mitte: ein Signal, dass dieses Himba-Dorf keine Besucher empfängt. Rechts: Hinweis auf eine Reparaturwerkstatt für Reifen.

Not larger than this Leave us alone Tire Repair Shop in Puros

Wir halten uns an Deine Bella Reporting Standards und beschriften direkt, unmittelbar, schnörkellos:

Find the cash box below the arrow Barber Shop in Opuwo The bigger one of two Shops in Palmwag

Verständnis geht uns vor Schönheit:

Still 36 km of gravel to go Sesfontein Gas Station

Herzlich, Dein Namib

Noch mehr Augenweitsprung

Freitag, 30. Januar 2009, von Bella

Die WELT versteht Ticker falsch. Richtig ist: Die Information zieht am Betrachter vorüber. Sehr bequem. Vor allem, wenn die Information sonst keinen Platz hätte.

Falsch ist: Der Betrachter zieht an der Information vorüber. Vielleicht kennst Du einen blöden Hund. Der kann Dir die Zeitung dann an den Augen vorbeifahren.


Quelle: Die Welt, 01.08.2008, S. 21, klick für das Original in voller Länge

Hier ein anderer Augenweitsprung.

Doppel-Spam

Donnerstag, 15. Januar 2009, von Bella

Am 18.11. bekam ich das da per E-Mail. Unaufgefordert. Auf den Diagrammassi von Excel können die sich nicht rausreden. Der schneidet gerne Achsen ab. Aber nicht immer. Und nicht bei diesen Daten.

Bissiges Design

Dienstag, 30. Dezember 2008, von Bella

Gutes Design ist bissig. Alles Überflüssige kommt weg.

Legenden sind ganz oft überflüssig. Stattdessen: dran an die Daten. Schau mal, hier ist das für das Dollar und das Prozentzeichen so. Und für die Skalenhinweise.


Quelle: Wall Street Journal, 21.11.2006, S. C4

Überflüssig sind auch Wiederholungen. Einmal das Dollarzeichen und einmal das Prozentzeichen hinschreiben reicht.

Man kann geschickt kürzen: 2000, 02, 03 usw.

Hilfslinien können tatsächlich auch mal helfen. Dann nämlich, wenn sie die relativen Differenzen optisch vergrößern. Das tun sie in der mittleren Grafik.

Das achte Gebot ist hier das erste

Montag, 15. Dezember 2008, von Bella

Am 18. November fragen die msn-Nachrichten: „Wie gut sind Sie beim Pisa-Test?“ Ich klick drauf und beantworte Fragen zu Karies, Evolution und Erdrotation. Mir raucht das Fell. Arme Schüler.

Nach Windkrafträdern und Marmorsplittern in Essig: Frage 6 ist zu Windows, Frage 7 zu Word. Am Ende noch Antibiotika und Bienentanz. 2 von 9 Fragen zu Microsoft. Piesa aus Pisa oder doch eher Amerieka? Lieber Microsoft, habt ihr da geschwindelt?


Frage 6 im Msn-Pisa-Test: Fiesa als Piesa? Fragt der Pisatest nach Windows?

Einer ohne Microsoft hier. Ich hab 16 gewusst.

Potzblitz? Nicht im Journal

Sonntag, 30. November 2008, von Bella

Im Obama-Jahr: Ja, wir malen! Und zwar Balken so lang, wie sie halt sind. In Obama-Land ist das kein Problem:

Das Wall Street Journal malt die Balken über die ganze Seite. (Klick drauf für komplett.)

In der Welt hingegen schlägt der Blitz ein (links: Original, rechts: ich). Der Blitzeinschlag macht die Grafik absurd. Eine Tabelle wäre dann besser. Ich hab rechts gemalt, wie es richtig wäre.

Wall Street Journal vom 21.11.2006, S. C4; Die Welt vom 13.08.2008, S. 26.

Selten zum Wohle sind Symbole

Samstag, 15. November 2008, von Bella

Symbole sind schwierig. Meistens geht es schief. Warum? Manche müssen neu gelernt werden. Das dauert länger, als etwas zu lesen, das man schon kennt – ein Wort zum Beispiel.

Schlechte Symbole machen einen traurig. Der Pfeil da steht am schönen Fluss Saone, im schönen Burgund:


Quelle: von mir

Soll man dem Pfeil nachfahren?
Muss man dem Pfeil nachfahren?
Darf man es, wenn man vorsichtig ist?

Und hier aus dem Spiegel – Auweia:


Quelle: Der Spiegel 29/2008, 21.07.08, S.65

Auweia weil: Bei ihrer Flagge sind die Amerikaner streng.
Zum Beispiel: Wer Präsident werden will, muss sie am Revers haben.
Immer.
Ich glaube nicht, dass die Reporter vom Spiegel noch in die USA einreisen dürfen.
Auch unsere Flagge sieht unverschrumpft und unverdehnt am schönsten aus.

Und das da:


Quelle: Wirtschaftswoche 27, 30.06.2008, S.104

Immer, wenn wir drei Sterne sehen, heißt das jetzt: der kommt bald in den Dax.
Ein Stern heißt: eher nicht.
Meint die WiWo.
Ich weiß nicht.
Ob sich das so durchsetzt?

Daher finde ich, für die meisten Symbole gilt:
Einfahrt verboten.