Auf einem Bein kann man nicht stehen

Mittwoch, 15. Juni 2011, von Bella

Vodafone hat ihre Töchter verglichen. Wie schnell sie gewachsen sind. In den Regionen der Welt. In USA wohnt nur eine Tochter. Sie wurde trotzdem verglichen. Womit eigentlich? Sieht ziemlich lustig aus. Solosäule.



Umsatzwachstum Geschäftsjahr 2008/2009 (links) und 2009/2010 (rechts).
Quelle:
Vodafone Group Plc Annual Reports 31 March 2009, Seite 11, bzw. 31 March 2010, Seite 11.

Verstehe schon: Der Grafiker war in Not. Alles sollte einheitlich aussehen. Was kann man tun? Global skalieren. Dann stimmt es wieder. Und eine Säule ist allein, aber nicht mehr einsam.

Im Geschäftsbericht 2010/2011 keine einsamen Säulen mehr, aber lustige Anregungen. Schreib dahinter, ob es „growth“ oder „decrease“ war. Schon bist Du nirgends minus.

Play fair

Montag, 30. Mai 2011, von Bella

William Playfair hat Balken, Säulen, Torten erfunden. Vor mehr als 200 Jahren. Und viele Zeitreihen gemalt.

Malen alle noch immer so. Das ist oft schlecht. Zum Beispiel hat William das gemalt. Oben: England kauft in Asien ein. Unten: Asien kauft in England ein. Die Engländer ärgern sich.


Exporte und Importe.

Man denkt: Schere geht auf, auf, auf, bleibt auf, bissi zu, richtig zu. Ab 1755 endlich parallel, parallel, parallel. Ab 1765 wieder auf, auf, auf. Ist aber nicht so.


Orangefarbene Linien von mir. Klick zum Vergrößern.

Man sieht den Höcker nicht. Weil wir waagrecht eine Parallele sehen. Und senkrecht schauen müssten. Ziemlich anstrengend. Macht unser Auge nur, wenn wir den Trick kennen. Meint er auch.

Die FAZ hat es gemacht wie William. Und wir sehen viele Höcker nicht. Hat ihn auch gestört. Die FAZ hat es gemerkt. Und eine zweite Grafik gemalt. Da sieht man es aber auch nicht gut. Weil die roten Säulen nicht bei Null starten. Sondern bei Blau.

Amerikas Handelsstreit mit China: Warenhandel Amerika mit China und Amerikas Handelsbilanzsaldo. - Quelle: FAZ, 27.09.2010, Seite 13.
Quelle: FAZ, 27.09.2010, Seite 13. Und bei ihm.

Wieder fehlt das Saldo und man glaubt an Scheren, wo die so gar nicht sind.

Saldo aus Import und Export als Prozentsatz des gesamten Handelsvolumens von 1960 bis 2010.
Quelle: bei ihm.

Lass William öfter in der Mottenkiste. Nicht alles, was alle lange machen, ist gut.

Mal Kasten

Sonntag, 15. Mai 2011, von Bella

In die Zukunft schauen ist schwer. Schau mal: Runter geschätzt, gleich geblieben. Nochmal runter geschätzt, rauf gegangen. Rauf geschätzt, runter gegangen. Runter geschätzt, runter gegangen. Bisserl runter geschätzt, sehr runtergegangen. Und so weiter, rauf und runter.

Economists predict rebound, bot no job growth. - Quelle: Wall Street Journal, 07.02.2003.
Quelle: Wall Street Journal, 07.02.2003.

Darum: immer dazusagen, wenn Du schätzt. Und zwar deutlich. Für deutlich gibt es viele schöne Möglichkeiten.

Drüber malen.

Dran malen.

Ausmalen und dran malen.

Kasten drumherum malen.

Sehr wichtig bei Linien: Wie viele Zeitpunkte hast Du geschätzt?

Und die Krönung: Bandbreite malen.

Also immer markieren. Weil: Unmarkiert spekuliert ist manipuliert.

Augensamba

Samstag, 30. April 2011, von Bella

Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika entwickeln sich. Wie, zeigt die Welt. Farbe merken. Säule finden. Höhe lesen. Nach rechts springen. Nächste Säule finden. Höhe merken. Nach links springen. Höhe vergleichen. Zweimal nach rechts springen. Noch eine Säule finden. Noch mal Höhe merken. Noch mal nach links springen. Höhe vergleichen. Oh. Farbe vergessen? Noch mal von vorn.

Wirtschaftswachstum und Inflation der BRICS-Länder. - Quelle: Die Welt, 15.04.2011, Seite 13.
Quelle: Die Welt, 15.04.2011, Seite 13.

Ich versteh schon. Man will die Entwicklung der BRICS zeigen. Im Detail. Entwicklung, wohlgemerkt. Die sieht man nur gut, wenn Jahr an Jahr steht und nicht Land an Land.


Redesign: ich.

Lustig: Wenn man Entwicklungen sehen will, darf man manchmal nicht nach Zeit sortieren.

Nicht so lustig: Von drei Werten sind zwei spekuliert, aber nicht markiert. 2011 ist noch nicht rum. 2012 noch nicht da.

Spaßleins

Freitag, 15. April 2011, von Bella

Das Handelsblatt online macht jetzt Sparklines. Eigentlich schön. Wenn’s welche wären.

Quelle: handelsblatt.com/4066396
Linien in den Artikeln des Handelsblatts. Quelle: handelsblatt.com/4066396, 15.04.2011.

Lustig: Die Linie für Bayern München ist der Aktienkurs der Münchener Rück. Und die für Bayer Leverkusen ist BMW.

Quelle: handelsblatt.com/4066396 Quelle: handelsblatt.com/4066396
Die Details zu den Linien. Probier es selbst oder guck Dir die ganze Seite an.

Schade: Hinter der Linie ist keine Zahl. Regel 1 in meinem Duden.

Sehr schade: Die Linie zeigt immer einen Börsenkurs. Egal, worum es geht.

Flachgestapelter Flächenflachs

Mittwoch, 30. März 2011, von Bella

Daran habe ich gekaut. Sieht harmlos aus. Der Größte unten, der Kleinste oben. Zusammen werden sie weniger. Kapiert. Chrysler fällt am stärksten. Ford am zweitstärksten. GM am wenigsten. Falsch kapiert. Miss mal nach. Anders kommst Du nicht dahinter.

US-Marktanteile amerikanischer Autohersteller kumuliert in Prozent. Quelle: Financial Times Deutschland, 21.11.2008, Seite 8.
US-Marktanteile amerikanischer Autohersteller kumuliert in Prozent.
Quelle: Financial Times Deutschland, 21.11.2008, Seite 8.

Ich hab damit herumgespielt. Den Kleinsten nach unten, den Größten nach oben. Das richtet Ford auf. Und macht Chrysler flach.

Oder Ford nach oben, dann geht es richtig runter.

Jetzt kommt es: Bei gestapelten Linien macht meist die erste die Musik. Schau mal, was passiert, wenn die erste Linie steigt und die anderen fallen. Ich habe dazu die Daten von GM umgedreht und die anderen gelassen, wie sie waren. Jetzt steigt Chrysler gleich mit. Obwohl es immer noch fällt.


Marktanteile von GM umgekehrt abgetragen, mit Daten von WardsAuto.com.

Also: Meide Flächen. Stapel keine Linien. Lies Grafiken mit Vorsicht. Übrigens: So wäre es gegangen.


Jeder Hersteller eine Linie. Die Summe eine weitere. Das Ganze logarithmisch.

Stadt, Land, Stuss

Dienstag, 15. März 2011, von Bella

Das weißt Du schon: Stell nicht in einer Landkarte dar, was nicht in eine Landkarte gehört. Der Economist hat es 1945 ausprobiert.

Karte
Verzerrte Staatsflächen proportional zum Volkseinkommen im Economist 1945.

Eduard ärgerte sich schon 1972 darüber.

„Solche oder ähnliche Diagrammkarikaturen gehören zum Übelsten, was kartographische und statistische Graphik je versündigt haben.“ , Quelle: Eduard Imhof, Thematische Kartographie, Berlin u.a. 1972, Bild auf Seite 86, Zitat auf Seite 87.

Der Worldmapper findet es immer noch lustig.

Quelle: Worldmapper.org.
Verzerrte Staatsflächen proportional zum Volkseinkommen im Worldmapper 2011

Ich ärger mich wie Eduard. Er auch. Dabei kann Verzerren wichtig und richtig sein. Guck mal. Gar kein Land in der Karte. Weil: Beim Straßenbahnfahren ist original egal. Die Straßenbahn kann eh nicht anders, als sie soll.

Aushangfahrplan Tram-Linie 8. - Quelle: VGN. Durchschnittliche Fahrzeiten in Minuten. - Quelle: VGN.
Fahrplan der Tram-Linie 8. Fahrzeiten in Minuten. Quelle: VGN.

Guck noch mal. Hier ist original fast egal. Aber schon mehr Land in der Karte. Weil: Die Autofahrer müssen selbst fahren. Land ist hier linear. Auf Entfernungen reduziert. Kein Links, kein Rechts, kein Rauf, kein Runter. Das funktioniert. Auf der Karte passiert, was man erlebt: Eine Folge von Abzweigungen und Kreuzungen nach verschieden vielen Kilometern.


Straßenkarten in Südafrika. Klick zum Vergrößern. Quelle: Camp & Live Guide, www.caravanparks.com, Südafrika

Grippalsignal

Montag, 28. Februar 2011, von Bella

Ich bin schlapp. Meine schöne Nase trieft. Ich huste. Bin ich krank? Ich mess mal lieber Fieber. Mit meinem neuen Digitalthermometer. Super ablesbar. 38,6 Grad. Ich google, wie krank ich bin. Geht so.

Bei Signalen bin ich meist skeptisch. So wie bei Jürgen funktionieren sie aber mal. Finde ich.

Fiebertypen und Handlungsrichtschnur. - Quelle: MedizInfo.
Quelle: MedizInfo.

Jürgen sagt: „Für eine Beurteilung und Handlungsrichtschnur können die Werte in der nebenstehenden Grafik als Orientierungshilfe dienen.“

Japanologisch

Dienstag, 15. Februar 2011, von Bella

Die Grafik vom letzten Mal ist eine Falle. Weißt Du noch? Japan ist zu alt. Schau noch mal hin. Wenn man Säulen nimmt, darf man nicht logarithmisch. Wenn Werte weit auseinanderliegen, muss man logarithmisch. Und darf keine Säulen nehmen.


Alle Redesigns: ich.

Weniger Jahre hätte auch gereicht. Das Auge muss zwar hüpfen, um die Differenzen zwischen Dunkelgrau und Hellgrau links und Dunkelgrau und Hellgrau rechts zu vergleichen. Geht hier gerade noch so eben.

Gestapelt geht auch. Genauso gut. In dem Fall.

Mit Füllsäulen sieht man die Veränderung des Anteils besonders gut. Aber nur die.

Das erste Redesign gefällt mir am besten.

Untertreibung übertrieben

Sonntag, 30. Januar 2011, von Bella

Standard & Poor’s gibt Japan schlechtere Noten. AA‑ statt AA. Japan gibt mehr aus, als es verdient. Und ist zu alt. Das soll diese Grafik im Journal zeigen.

Graying population. - Quelle: Wall Street Journal Europe, 28.01.2011, Seite 15.
Quelle: Wall Street Journal Europe, 28.01.2011, Seite 15.

Zähl mal die Pixel. Die alten Japaner werden dreimal so hoch. Alle Japaner nur 20 Prozent höher. Trotzdem sieht beides fast gleich steil aus. Oder flach. Weil: Zwei Entwicklungen vergleichen, ist schwierig. Auf verschiedenen Niveaus ganz schwierig. Das wissen wir schon lange. Und es gilt auch für Anteile.

Hier versteht man, was S&P meint. Weil: Es wird nur der Anteil gezeigt. Verglichen mit anderen Anteilen. Und nicht mit sich selbst.

Proportion of Elderly Population by Country (Aged 65 years and over). - Quelle: Statistics Bureau of Japan (Hrsg.), The Statistical Handbook of Japan 2010,Chapter 2: Population.
Quelle: Statistics Bureau of Japan (Hrsg.), The Statistical Handbook of Japan 2010, Chapter 2: Population. Hier Fünfundsechzigjährige und längerer Zeitraum. Macht aber nix.

Dreiecksbeziehungen

Samstag, 15. Januar 2011, von Bella

Rupert lässt im Wall Street Journal Vorzeichen weg. Und malt Dreiecke stattdessen. Rote und grüne. Hatten wir schon. Nicht gut.


Quelle: Wall Street Journal Europe, 25.10.2010, Seite 1.

Am Dreieck liegt es aber nicht. Das kann sehr gut sein. Hier zum Beispiel.


Quelle: International Herald Tribune, 18.12.2010, Seite 1.

Weil: Die Dreiecke stehen untereinander. Man versteht schneller. Sie sind schwarz. Sie bewerten nicht. Die Vorzeichen sind noch da. Sie ersetzen nicht.

Design ist fein.

Verschnitten

Donnerstag, 30. Dezember 2010, von Bella

Ein Wert hat sich um 2 % verändert. Insgesamt. Ein paar Effekte haben ihn verbessert. Andere ihn verschlechtert. Die Effekte und ihre Unterschiede soll man sehen. Die dürfen nicht kleingequetscht werden. Deswegen sind die 10 Milliarden abgeschnitten. Denkt man.

E.ON Group - Drivers of group Adjusted EBIT 2009 vs. 2008. Quelle: E.ON AG (Hrsg.), Performance and streamlining, April 2010, Seite 17.
E.ON Group – Drivers of group Adjusted EBIT 2009 vs. 2008. Quelle: E.ON AG (Hrsg.), Performance and streamlining, April 2010, Seite 17; PDF. Strichellinien von mir.

Pfui. Wenn was wo nicht hinpasst: weglassen. Oder nachdenken: warum? Vielleicht passt die Form nicht zu den Daten? Oder man hat sich nur verrechnet. So wie hier. Hätte alles gut hingepasst.

1 Schiff ist 1 Schiff

Mittwoch, 15. Dezember 2010, von Bella

Piktogramme malen ist schwierig. In der Financial Times werden Menschen geviertelt und Arme amputiert. Grässlich. Ein Männle steht für 500 Menschen. Ein loser Arm für 150. Komische Währung.

Oversight overhauled - SEC employees and budget. - Quelle: Financial Times, 27.08.2010, Seite 5.
Quelle: Financial Times, 27.08.2010, Seite 5.

Hier geht es gut. Die Piktogramme sind Schiffe, die von Piraten angegriffen wurden. Grün: Die Piraten wollten das Schiff kapern. Blau: Sie haben es geschafft. Jedes Piktogramm ein Schiff. Genau eins. Und es geht jedes Mal um ein Schiff. Um genau eins. Nicht um mehrere oder Teile. Schiff ist Schiff.

Troubled waters: Attacks on ships in the first half of 2010, by region. - Quelle: Wall Street Journal, 17.08.2010, Seite 3.
Quelle: Wall Street Journal, 17.08.2010, Seite 3. Hab ich von ihm.

Piktogramm geht so: Zähle, was Du zeigen willst. Male, was Du zählen willst. Male eins davon. Einmal je Ding. Wenn’s nicht hinpasst, kein Piktogramm.

Verdunkeln erhellt

Dienstag, 30. November 2010, von Bella

Letztes Mal: Schädliche Schatten. Heute: Erhellende Schatten. Manchmal ist eine Spalte wichtiger als die anderen. Dann will man sie hervorheben. Mit Schatten geht das. So wie hier.

The rest of Europe's blue chips. - Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.
Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.

Schatten verringern den Kontrast. Manchmal braucht man deswegen noch fett. Oder man differenziert. Schatten und fett: ganz wichtig. Schatten ohne fett: fast ganz wichtig. So wie hier.

DJIA component stocks. - Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.
Quelle: auch da.

Schatten kann schaden

Montag, 15. November 2010, von Bella

Ich mag Zahlen. Und Tabellen. Und Zahlen mögen Tabellen auch. Ein Diagramm muss erst mal beweisen, dass es besser ist.

Manche Tabellen sehen aber aus wie Tigerente. Die Streifen gruppieren. Der Kontrast ändert sich. Die Lesbarkeit leidet. Das Verständnis auch. Die paar Zahlen hätten weder Tiger noch Ente gebraucht.

Capital expenditure. - Quelle: Financial Times, 23.08.2010, Seite 2.
Quelle: Financial Times, 23.08.2010, Seite 2.

Hier hat man viele Spalten. Trennen muss man. Das Auge kann sonst aus der Zeile fallen. Der Schatten ist hübsch. Aber gruppiert wieder. Und macht es schlechter lesbar. Der Schatten ist gut für Betonung. Nicht für Trennung.

EURO STOXX 50. - Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 261, 09.11.2010, Seite 36.
Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 261, 09.11.2010, Seite 36.

Beim Tiger ist schlank besser. Anders als beim Labrador. Nimm dünne Linien nach jeder dritten bis fünften Zeile. Bei breiten Tabellen nach drei. Bei schmalen nach fünf. Dann wird nicht gruppiert, was keine Gruppe ist. Der Kontrast bleibt gleich. Die Lesbarkeit auch.

EURO STOXX. - Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 261, 09.11.2010, Seite 36.
Quelle: Selbe Zeitung. Selbe Seite.

Eine Tabelle mit wenig Spalten braucht gar nichts.

Prime, General und Entry Standard. - Quelle: FAZ, Nr. 59, 11.03.2010, Seite 25.
Quelle: FAZ, Nr. 59, 11.03.2010, Seite 25.