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Mittwoch, 30. Dezember 2009, von Bella

Nochmal didaktisch. Nochmal die Grafik aus dem Handelsblatt:


Quelle: Handelsblatt, 30.04.2009, Nr. 83, Seite 1, diesmal Original.

Man meint: Laster wächst schneller als Schiene. Schiene wächst wenig. Schiff gar nicht. Stimmt aber nicht. Wenn Werte sehr unterschiedlich sind, kann man Entwicklungen schwer vergleichen. Dann hilft logarithmisch.

Jetzt sieht man: Schiene wächst stärker als Laster. 70 Prozent zu 56 Prozent. Schiff ist zwischendurch fast gesunken. Insgesamt 3 Prozent gewachsen.

Logarithmisch geht nicht immer. Aber öfter.

Verbieten verboten

Dienstag, 15. Dezember 2009, von Bella

Heute wird’s didaktisch. Ich hab mal rumgeschnippelt:


Quelle: Handelsblatt, 30.04.2009, Nr. 83, Seite 1, von mir bearbeitet. Klick fürs Original.

Links finden viele richtig skaliert. Sie denken: Die Null muss drin sein. Egal, ob Linien oder Säulen – abschneiden verboten.

Aber: Die Null ist nicht der Meeresspiegel. Rechts nutzt den Platz maximal aus, um die Veränderungen anzuschauen. Oft ist das wichtig. Alle anderen Skalierungen steilen die Kurve mehr oder weniger. Und zeigen die Details mehr oder weniger. Dass die Veränderung größer als 50 % ist, sieht man weder links noch rechts von selbst. Das schreibt man besser hin.

Jedenfalls gilt: Linien die Füße abschneiden ist nicht verboten. Schnippschnapp.

Dias sind Silber, Reden sind Gold

Montag, 30. November 2009, von Bella

PowerPoint diskutieren jetzt immer mehr Leute. Als Diaprojektor ist es gut. Dann sehen alle, was sie sehen sollen. Nicht gut ist, wenn sie sehen, was sie hören sollen. Dann sehen die Folien aus wie Notizen zu dem, was einer sagen will. Zum Beispiel so:

Mehr Dosen Futter pro Tag
Wenn Folien so aussehen: weglassen.

Viele lesen dann ihre Notizen vor. Langsamer als die Leute selber lesen. Weil: Lesen geht schneller als hören. Man betet, dass die nächste Folie kommt. Die am liebsten die letzte ist.

Notizen hat man in der Jackentasche. Nur im Notfall holt man sie raus. Zeigen tut man sie keinem. Und bestimmt nicht allen. Folien, die aussehen wie Notizen, lässt man weg.


Stattdessen: so gucken.

Eine Regel ohne Wenn und Dann

Sonntag, 15. November 2009, von Bella

6 Gründe für Urlaub. 2 Jahre. 2 Landesteile. 24 Zahlen. Klingt einfach. Ist es nicht. An diesem Diagramm kann man viel überlegen.

Urlaubsmotive der Deutschen - Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 43, 25.10.2009, S. 24
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 43, 25.10.2009, S. 24

Nähe verbindet: Die Überschrift verbindet sich mit allen ersten Balken. Sie wird selbst grafisch. Soll sie aber nicht. Sie gilt für vier Balken.

Zeit ist waagrecht: Hatten wir schon. Hier ist Sinken eine Bewegung nach links. Versteht das Auge schwer.

Mann mit Hut: Zwei Männer stehen nebeneinander. Der kleinere trägt Zylinder. Wie klein ist der Kleine? Zahlen rechts am Balken: hier besser nicht.

Farbe gruppiert: In der WAMS alle Werte für 1991 und alle Werte für 2008. Kann gut sein. Hier ist es nicht so gut.

Karos sind out: Streifen im Hintergrund sind lustig. Und vermindern die Lesbarkeit.

Das wichtigste aber: Grund, Jahre, Jahresveränderung, Landesteil, Ost-West-Unterschied – alles ist in die Senkrechte gepackt. Das ist zu viel.

Urlaubsmotive der Deutschen - Redesign als Grafische Tabelle
Quelle: DeltaMaster

Meine Regel: Nutze zwei Blickachsen, senkrecht und waagrecht, wo es hilft. Funktioniert nicht immer. Hier aber ganz gut.

Gestern ist links

Freitag, 30. Oktober 2009, von Bella

Nur in Sanduhren läuft die Zeit von oben nach unten. In Diagrammen nicht. Da läuft Zeit von links nach rechts. Es ist nämlich so. Nimm ein Diagramm mit waagrechter X-Achse und senkrechter Y-Achse. Die unabhängige Variable kommt immer auf die X-Achse. Dann weiß jeder: Die abhängige ist auf der Y-Achse. Das ist sehr praktisch. Wie die meisten Konventionen.

In der WAMS steht die Zeit senkrecht. Nicht schlimm. Aber auch nicht schön.

Milliardengeschäft mit den Mullahs
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 40, 04.10.2009, S. 36

Mich als Buch

Donnerstag, 15. Oktober 2009, von Bella

Ich mache ein Buch. Mit allen meinen Regeln drin. Es wird ein sehr schönes Buch. Es wird hoch und schlank. Wie ich. Das Titelbild könnte so aussehen. So wie links, wie in der Mitte oder wie rechts:

Mich als Buch

Bis Weihnachten soll es fertig sein. Wenn Du es zum Subskriptionspreis haben willst, kannst Du Dir ein Exemplar reservieren.

Jugendstil für Daten?

Dienstag, 15. September 2009, von Bella

Du liebe ZEIT. Das hab ich nicht gemeint. Mein Handkritzel-Design war aus der Not geboren. Eures ist mit Anlauf.

Das Lehrstellen-Drama: Die Zahl der Ausbildungsplätze sinkt; Differenz gegenüber dem jeweiligen Vorjahr. - Quelle: DIE ZEIT 19/2009 vom 30.04.2009 Die Milliarden-Lücke: Kranken- und Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung. - Quelle: DIE ZEIT 20/2009 vom 07.05.2009 Der Vertrauensbonus: Welches europäische Land hat Ihrer Meinung nach die besten Voraussetzungen, um aus der Krise herauszukommen? - Quelle: DIE ZEIT 25/2009 vom 10.06.2009

Dreimal Krikelkrakel aus der ZEIT. Soll man wohl nicht wichtig nehmen?
Quelle: DIE ZEIT Nr. 19 vom 30.04., Nr. 20 vom 07.05., Nr. 25 vom 10.06.2009.

Lustig: Wir nehmen den Computer, damit es aussieht wie von Hand. Sogar die Handschrift ist eine Computerschrift.

Für mich signalisiert handgemalt und handgeschrieben: Liebesbrief. Poesiealbum. Kinderbuch. ABC-Schütze. Einkaufsliste. Entwurf. Skizze. Urlaubsgruß. Notiz. Also eher: Vorläufig. Eilig. Unfertig. Nebenbei. Grob. Ungenau. Vielleicht fehlerhaft. Ungeprüft. Einmalig. Spontan. Und jung.

Alle wollen jung. Mir egal. Daten nicht.

Nebenboulen

Sonntag, 30. August 2009, von Bella

Wir machen gerade Urlaub in Frankreich. In Frankreich spielt man Boule. Mit dem Nachbarhund habe ich auf den Ausgang gewettet. Ich habe mir fünf Würfe von jedem angesehen und nachgemessen.

Ich beim Boule spielen

Ich habe seinen Rat beherzigt. Und die kompletten Verteilungen aufgemalt. Nicht nur die Mittelwerte. So weit waren die Kugeln vom Cochon weg. In Zentimeter.

Alle Werte und Mittelwerte

Jetzt sehe ich mit bloßem Auge:

Ausreißer
Den besten Einzelwurf hatte er. Eine Schwalbe? Ein Sommer?

Happy hatte ein paar solide Würfe. Aber auch den allerschlechtesten. Könnte ein einmaliger Ausreißer sein. Oder ein Hinweis, dass seine Leistung nicht stabil ist.

Mittelwerte
Hannes und Bimpfi liegen nah zusammen. Er und Baui auch. Hm. Das reicht mir noch nicht.

Streuung
Bauis Würfe streuen weniger als seine. Und die Mittelwerte unterscheiden sich nur um 1 Zentimeter. Daher Platz 3 statt 4 für Baui.

Bimpfi spielt sehr solide mit mäßiger Streuung. Hannes toppt alle: Der Mittelwert ist der niedrigste, die Streuung auch.

Ich habe auf Hannes gesetzt. Er hat gewonnen.

Bond Reporting Standards

Samstag, 15. August 2009, von Bella

Er meint: Wenn man Zahlen hat, soll man die auch sagen. Und nicht stattdessen von „Absturz“ und „sattem Plus“ und „Talfahrt“ und „Höhenflug“ jaulen. Sonst glaubt einer, es ist 70 %, und der nächste glaubt was anderes. Also: Die Controller dürfen sich nicht bei den Zeitungen anstecken. Müssen sie auch nicht, sagt er. Sie haben ja die Zahlen.

Matt sagt dasselbe. Ungefähr. Er hat uns eine Grafik dazu gezeigt. Sherman Kent hat die gemalt. Schon vor 40 Jahren. Ein Geheimagent aus Amerika. NATO-Offiziere mussten schätzen, wie viel Prozent er meint, wenn er sagt, es ist „highly likely“ oder „probably“ oder „unlikely“ oder „highly unlikely“ usw.:

Measuring Perceptions of Uncertainty
Quelle: Richards J. Heuer, Jr.: Psychology of Intelligence Analysis, Langley 1999, S. 155.

Oha. Ganz schön gefährlich. Da ging es ja um Militärisches. Wenn einer von der CIA dem Präsidenten sagt, die Bösen kommen „probably“. Und der Präsident versteht, na ja, also vielleicht mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 %. Und die CIA meinte aber 75 %: Puh.

Der Sherman meinte, deswegen muss es Standards für die Sprache in Geheimdienstberichten geben:

Certain 100 %  
Almost certain 93 % +/- 6 %
Probable 75 % +/- 12 %
Chances about even 50 % +/- 10 %
Probably not 30 % +/- 10 %
Almost certainly not 7 % +/- 5 %
Impossible 0 %  

Kann sein. Jedenfalls: Regeln sind gut. Jaulen ist schlecht.

Kollapsteralschaden

Donnerstag, 30. Juli 2009, von Bella

Die Steuereinnahmen kollabieren. Sagt das Handelsblatt. Er findet, 9 Prozent Minus und Kollaps passen nicht zusammen. Ich hab den Artikel auch gelesen. Und wär fast kollabiert: Deutungspriorität nicht verstanden. Noch mal: Bei Säulen interpretiert man die Längenunterschiede als Wertunterschiede. Darum: Abschneiden verboten. Oder: Linien statt Säulen nehmen.

Hat das Handelsblatt nicht gemacht. Siehe links. Müsste es aber. Siehe rechts.

Zenit überschritten - Steuereinnahmen in Mrd. Euro. Quelle: Handelsblatt Nr. 131 vom 13.07.2009, S. 3
Quelle: Handelsblatt Nr. 131 vom 13.07.2009, S. 3; Redesign: von mir.

Jetzt war ich ein bisserl misstrauisch und habe die Quelle (PDF) nachgeschaut. Dort gibt es zwei Schätzungen mehr. Hm.

Grafik aus dem Handelsblatt Nr. 131 vom 13.07.2009, S. 3, erweitert um die Schätzwerte für 2012 und 2013
Quelle: von mir.

Bunter Hund

Mittwoch, 15. Juli 2009, von Bella

Im Büro häng ich jetzt an der Wand. Gefällt mir. Ein Small Multiple.

300

Dienstag, 30. Juni 2009, von Bella

Apropos Auflösung: General Electric hat eine Webseite mit Gesundheitsdaten. Man kann mit den Daten spielen. 300 Männle sind Amerika. Die sind in jedem Bild.

Je nach Krankheit und Risikofaktor stellen sie sich anders hin. Na ja. Manchmal laufen sie auch weg. Hier verschwinden 120 (oder 40 %).

Beim Schlaganfall sieht das so aus. Die Dünnen stehen links, die Dicken rechts.

Bei 300 Männle für ganz Amerika ist die maximale Differenzierung 1/300=0,33 %. In den Segmenten sinkt die Differenzierung. Hier bei den Dünnen ist sie 1/21=4,8 %. Jetzt kommt’s: Von den Dünnen bekommt 1 % einen Schlaganfall. Das wäre ein Fünftel Männle (1 % von den 21). Das malt GE aber nicht. Drunter steht: je dicker, desto Schlaganfall. Kann ich auch nicht sehen. Alles ist 2 %. Außer bei den ganz Dünnen (1 %).

Spiel mal selbst damit. Ich finde: Absolute Häufigkeiten malen, aber Prozent meinen, geht schief.

Ist mir alles egal: Ich bin ein Labrador. Ich wäre gerne dick.

Vergleiche! Sagt auch die EU.

Montag, 15. Juni 2009, von Bella

Ich bin in Frankreich. Die Wasserrechnung dort hat eine Grafik. Sie ist in Ordnung. Sie zeigt den Verbrauch im Vergleich zu den Jahren vorher. Die EU will das so. Seit Mai 2008 (RL 2006/32/EG, PDF). Schon 2006 hat sie nämlich gesagt: Die Energieverkäufer müssen „informativ abrechnen“. Die echten Preise müssen drinstehen. Und der echte Energieverbrauch. Und es braucht einen „Vergleich des gegenwärtigen Energieverbrauchs des Endkunden mit dem Energieverbrauch im selben Zeitraum des Vorjahres, vorzugsweise in grafischer Form“.

Evolution de votre facturation en m3
Quelle: von mir

Was lernt der europäische Hund daraus:

  1. Wer Kunden mag, lässt sie selbst vergleichen. Bevor die EU es ihm sagt. Die Kunden mögen das. Auch wenn sie sehen, dass sie mehr verbraucht haben.
  2. In der Krise fühlt der Staat sich stark. Er wird viele Vorschriften machen. Wer wem wie was zeigen soll. Ich glaube noch nicht, dass der Staat ein besserer Manager ist. Auch nicht, dass er ein guter Grafiker ist. Ein schlauer Hund nimmt die Sache selbst in die Hand.

Stopp? Digital!

Samstag, 30. Mai 2009, von Bella

Eine meiner Regeln: Diagramme müssen gut ablesbar sein. Gut ist schnell und eindeutig. Das gilt für alle Messinstrumente. Auch für Uhren.

Die klassischen Uhren sind schön, weil mechanisch. Sie zeigen alle Werte auf analogen Skalen. Ist nicht wirklich schnell ablesbar. Ging aber nicht anders. Bisher. Die hier kann mehr. Sie zeigt die Stoppfunktion digital. Aber der Antrieb ist mechanisch. Das ist neu und schwierig. Grande Complication. Man braucht 800 Teile und 4 Federhäuser dafür.

Porsche Design Indicator

Die Porsche Design INDICATOR (P’6910) mit mechanischer, digitaler Anzeige der Stoppfunktion – Film dazu

So kann man die Stoppfunktion viel besser ablesen. Besser als einzelne Anzeigen für Stunden, Minuten, Sekunden und Zehntelsekunden. Aha: ANALOG WAR KEINE FOLGE DER ABLESBARKEIT, SONDERN EINE FOLGE DER MECHANIK.

Dennoch: Analoge Zeiger bei Uhren finde ich schön. Im Controlling nicht. Da bleiben sie alt und blöd.

SZ Today

Freitag, 15. Mai 2009, von Bella

Apropos Medienkompetenz: Mich laust der Löwe. Der Leo von der Süddeutschen hat Breite, Höhe, Position. Bedeutet aber nix. 100 % können unten in der Mitte stehen oder oben in der Mitte oder in der Mitte rechts. Bedeutet auch nix.

SZ vom 29.04.2009, S. 31
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 29.04.2009, S. 31. Klick zum Vergrößern.

Selbe Ausgabe: das Ansteigen der Jahrestemperatur. Meinte ich. Es steigt aber nicht die Temperatur, sondern das Jahr. Unten ist nicht kalt, sondern 1901. Oben ist warm, aber vor allem 2008. Die Temperatur steht neben dem Jahr. Wie es in den anderen Jahren war, sieht man nicht. Die Grafik stinkt.

SZ vom 29.04.2009, S. 6
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 29.04.2009, S. 6. Klick zum Vergrößern.

Mich macht das traurig. Die Journalisten der SZ sind doch gut. Wer glaubt an gute Recherche, wenn so schlecht dazu gemalt wird?

Frustriert wollte ich fernsehen. Half aber nicht. Die Fernsehzeitung war von der falschen Woche. Die Grafiken waren so blöd wie in der SZ. Aber nicht mal blöder. Du liebe Zecke.

TV Today von 11.04.2009, S. 4
Quelle: TV Today, 11.04.2009, S. 4