Der EU-Grafik-Gipfel

Der EU-Gipfel war hoch. Für die Politiker. Und die Infografiker. Zwei Größen zu vergleichen, kann schwierig sein. Drei zu vergleichen, ist schwierig. Bei den EU-Mandaten waren es fünf: Bevölkerung, Stimmenverteilung nach Nizzavertrag, Stimmenverteilung nach Verfassungsentwurf, Stimmenverteilung im polnischen Quadratwurzelmodell, Anzahl Mitgliedsstaaten. Die Welt und die FAZ malten Grafische Tabellen, die Nürnberger Nachrichten eine Businessgrafik.


WamS FAZ NN
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 25, 24.06.2007, Seite 4. Quelle: FAZ, Nr. 141, 21.06.2007, Seite 2. Quelle: Nürnberger Nachrichten, 23.06.2007, Seite 2.

Die WAMS finde ich in Ordnung. Allerdings ist das Hellgrün für das Quadratwurzelmodell schwer zu lesen.

Die FAZ verwendet Streifen. Das braucht man nicht. Und es stört. Noch mehr stört die Beschriftung des Quadratwurzelmodells. Die Linien der Legende lenken das Auge. Man vergleicht ihre Längen. Die besagen aber gar nichts weiter.

Die Idee der Nürnberger Nachrichten finde ich gut. Man kann die Unterschiede in den Verteilungen vergleichen. Aber die Farben sind schlimm. Die Balken flirren vor den Augen. Außerdem sind das unsere Landesfarben. Was machen die hier? Seltsam. Und die Werte fehlen. Und man kann nicht sehen, was sich bei den kleinen Mitgliedsstaaten tut.

Eine andere Möglichkeit ist, sich auf die Veränderungen zu konzentrieren.

Abweichungen der Vorschläge vom Nizza-Modell

Quelle: Screenshot aus DeltaMaster

Ein Kommentar zu “Der EU-Grafik-Gipfel”

  1. Georg Scheibe meint:

    Die Beispiele aus „Die Welt“ und der „FAZ“ sind meiner Ansicht nach weniger „grafische Tabellen“ sondern eher „tabellarische Grafiken“. Denn nicht das Tabellarische sondern mehr das Grafische, die Infografik an sich, springt dem Betrachter ins Visier.
    Der Aufbau und das Aussehen der „Welt“- und der „FAZ“-Grafik ist das gute, solide Mittelmaß; die Grafik aus der „Nürnberger Nachrichten“ wirkt dagegen ein wenig „altbacken“. Doch, was heißt schon „altbacken“? Oft ergeht es mir so, dass ich vor lauter stilsicherer meistens arg „kalter“ Design-Nichtigkeiten gewillt bin auszurufen, gibt mir lieber das „Alte“ und das „Backene“ wieder zurück! Ist nicht das „Altbackene“ auch viel „gemütlicher“ und (vielleicht) auch „menschlicher“? – Soweit so gut. Weiter im Text …
    „Die Welt“: sind wir einer Meinung.
    „FAZ“: das mit den „alternierenden Hintergründen“ ist bei denen Standart. Stört mich nicht besonders. Gegenfrage: wenn alles weiß wäre, wäre es dann besser? Kaum. Bei Weiß ermüdet das Auge recht schnell. Der Rest ringsherum wird fix „kantig“ und kontrastreich und noch kälter wie zuvor. Bei zu viel Weiß denke ich schnell an Onkel Doktor. Und der ist mir eher unsympathisch. Ich weiß, ich weiß, die vielen notwendigen „Weißräume“ und die dadurch gewonnene „Eleganz“. Doch eigentlich wollte ich „nur“ in einer Zeitung blättern, … aber ich schweife wieder vom Thema ab.
    „FAZ“ weiter: „die Beschriftung des Quadratwurzelmodells“ ist jetzt so schlecht wieder auch nicht, denn durch den gewollten Kontrast erfahren wir, dass es sich um etwas Besonderes handeln muss, hier eben um ein zu Diskussion gebrachtes Modell. Ich gebe zu, die Beschriftungslinien sind arg lang geraten, aber in diesem Fall eigentlich wieder beinahe notwendig, denn die Zahlen dürfen nicht zu nahe an die Balken kommen, weil sonst schnell Verwechselungsgefahr droht!
    „Nürnberger Nachrichten“: da tobt der Farben-Bär! Ich finde sie jetzt auch nicht so schlecht. Problematisch finde ich nur zwei Punkte. Erstens, die Länderbeschriftung und zweitens der Abstand der jeweiligen Drei-Balken-Ländergruppen. Die Kfz-Länderkennzeichnung bringt man eher ungern, höchstens aus Platzgründen an. Platz haben wir hier aber reichlich. Ich vermute, dass Viele bei dem Buchstaben „P“ aussteigen werden. Rätsel sollte man eher vermeiden und einfach den Namen ausschreiben. Punkt. Wegen der Drei-Balken-Gruppe: Das erste gelbe Stäbchen könnte sowohl zu Deutschland als auch zu Frankreich dazu gehören. Ohne das weiße Gitter im Hintergrund, wären wir auf verlorenen Posten.
    „Lösung Bissantz“: Grundsätzlich, schön gesehen mit den Veränderungsraten! Fraglich nur, ob redaktionell tragbar! Wenn der dazugehöriger Textbeitrag z.B. auf absoluten Prozentzahlen eingeht und diese auch einzeln benennt, so sehe ich für diese Lösung keine Chance. Denn der Leser fragt sich dann (zu Recht), wieso finde ich die genannten Werte aus dem Artikel in der Grafik gar nicht wieder?
    Weiter ist mir aufgefallen, dass Sie die Einheiten der Zahlenreihen aus den vier Spalten nicht benennen (Mio. Einwohner + Stimmengewicht in Prozent). Da die 2te, 3te und die 4te Spalte den gleichen Sachzusammenhang darstellen, würde es ferner nicht verkehrt sein, die 1te Spalte von den anderen, vielleicht farblich, kenntlich zu machen. Momentan sind eben nun die Einwohner und Stimmengewichte alle gleich gefärbt. Dabei stehen hier aber zwei verschiedene (Sach‑)Blöcke, oder besser, zwei verschiedene Wertegruppen, im Vergleich zueinander.
    Das Tabellen-Gitter sticht für mein Dafürhalten recht stark hervor. Entweder einfach ein Tick heller und/oder die Kontur niedriger setzen.
    Absolut untragbar (schweres Geschütz, böse Worte) ist die jetzige Dimensionierung der drei Prozent-Spalten (also Spalte Nizza, Spalte Verfassung und Spalte Polen). Da jedoch alle drei miteinander dazugehören und zueinander verglichen werden, ist es unablässig sie in der gleichen (Längen‑)Dimension zu belassen! Also, ein Balken z.B. mit dem Wert „5“ darf in keiner der drei Spalten unterschiedlich lang sein! Die Skalierung muss einheitlich sein.
    MfG.