Mich als Buch: fertig

Montag, 1. März 2010, von Bella

Im Oktober habe ich gesagt: Ich mache ein Buch. Da war noch viel zu tun. Layout. Litho. Texte durchsehen. Quellen prüfen. Material und Ausstattung festlegen. Drucker finden, der mein schönes Fell schön drucken kann. Probedrucken. Noch mal probedrucken. Drucken. Binden. Und viele andere Arbeiten. Jetzt ist mein Buch da. Es ist schön geworden.
Hier kannst Du reinschnuppern. Und es bestellen.

Ich in der Druckerei.
Vor vier Wochen haben wir gedruckt. Hier passe ich auf. Dass alles richtig wird.

Verkantet

Montag, 15. Februar 2010, von Bella

Perspektive ist: Du willst einen Raum zeigen. Auf Papier. Also in 2D. Soll aber wie ein Raum aussehen. Also 3D. Perspektive ist auch: Wie groß etwas ist, wenn es soundso weit weg ist. Und umgekehrt. Funktioniert toll.

Big bailout: The U.S. has spent about $121 billion so far to support AIG. - Quelle: Wall Street Journal Europe, 28.12.2009, Seite 14.
Quelle: Wall Street Journal Europe, 28.12.2009, Seite 14.

Schau Dir die Wolkenkratzer an. Funktionieren auch toll. Manhattan? Komisch: Die Wolken­kratzer stehen nicht an derselben Straße. Wo stehen sie? Macht uns wirr. Ist der vierte halb so hoch wie der zweite? Müsste er sein. 17 und 34. Sieht irgendwie anders aus. Wegen der Perspektive nämlich. Wir sollen Kantenlängen vergleichen. Dafür reicht eine Kante. Hier sind’s acht zu viel.

Außerdem sieht es aus wie eine Zeitreihe. Ist aber keine.

Blamage mit Collage

Samstag, 30. Januar 2010, von Bella

Bild und Zahl kann gut sein. Hier geht es um den Stuhl, den man sieht.

Bild und Zahl kann schlecht sein. Der nette Herr könnte auch bei Ford arbeiten. Oder Mercedes. Oder. Oder. Oder.

Bild ohne Zahl kann gut sein. Aha. So sieht es in einem Hackerspace aus. Wusste ich nicht. War da noch nicht.

Bild ohne Zahl kann peinlich sein. Unter dem Bild steht: Budweiser will mehr verkaufen. Ein Barmann schenkt ein Bier ein. In Brüssel. Na sowas.

Quelle: Wall Street Journal Europe, 13.11.2009, Seite W9, Seite 2, Seite 14, Seite 8.

Mit dem Fell steht und fällt der Druck

Donnerstag, 21. Januar 2010, von Bella

Mein Buch sollte bis Weihnachten fertig sein. Ich wurde probegedruckt. Mein schönes Fell war ganz stumpf. Abgesoffen, sagen die Drucker. Jetzt lernen Druckerlehrlinge an mir, wie man schwarze Sachen so druckt, dass sie gut aussehen.

Bald ist mein Buch fertig. Wirklich. Glaube ich. Auf jeden Fall wird es sehr schön.

Grafiken sind nicht Hase und Igel

Freitag, 15. Januar 2010, von Bella

Er hat über das Wall Street Journal geschrieben. Die europäische Ausgabe. Und das Facelift vom 17.11.2009. Ha. Da hätte er mal in die Ausgabe vom 13.11.2009 schauen sollen:

A comparison of Samsung and key competitors in several markets. Quelle: Wall Street Journal Europe, 13.11.2009, S. 26.
Quelle: Wall Street Journal Europe, 13.11.2009, S. 26.

Du musst Überhänge addieren, um das zu verstehen. Die Farben sind nicht besser. Du musst lernen: Samsung ist immer oben. Hat aber eine andere Farbe. Dieselbe wie der Wettbewerber. Der ist aber gekreuzelt. Die Balken vom Wettbewerber sind am Ende blass. Musst Du trotzdem addieren. Dann lese ich halt nur die Zahlen. Jetzt muss das Auge links-rechts, links-rechts, links-rechts, links-rechts.

Hätte der Grafiker auch verdient. Einmal links, einmal rechts. Kräftig.

Log? Logo!

Mittwoch, 30. Dezember 2009, von Bella

Nochmal didaktisch. Nochmal die Grafik aus dem Handelsblatt:


Quelle: Handelsblatt, 30.04.2009, Nr. 83, Seite 1, diesmal Original.

Man meint: Laster wächst schneller als Schiene. Schiene wächst wenig. Schiff gar nicht. Stimmt aber nicht. Wenn Werte sehr unterschiedlich sind, kann man Entwicklungen schwer vergleichen. Dann hilft logarithmisch.

Jetzt sieht man: Schiene wächst stärker als Laster. 70 Prozent zu 56 Prozent. Schiff ist zwischendurch fast gesunken. Insgesamt 3 Prozent gewachsen.

Logarithmisch geht nicht immer. Aber öfter.

Verbieten verboten

Dienstag, 15. Dezember 2009, von Bella

Heute wird’s didaktisch. Ich hab mal rumgeschnippelt:


Quelle: Handelsblatt, 30.04.2009, Nr. 83, Seite 1, von mir bearbeitet. Klick fürs Original.

Links finden viele richtig skaliert. Sie denken: Die Null muss drin sein. Egal, ob Linien oder Säulen – abschneiden verboten.

Aber: Die Null ist nicht der Meeresspiegel. Rechts nutzt den Platz maximal aus, um die Veränderungen anzuschauen. Oft ist das wichtig. Alle anderen Skalierungen steilen die Kurve mehr oder weniger. Und zeigen die Details mehr oder weniger. Dass die Veränderung größer als 50 % ist, sieht man weder links noch rechts von selbst. Das schreibt man besser hin.

Jedenfalls gilt: Linien die Füße abschneiden ist nicht verboten. Schnippschnapp.

Dias sind Silber, Reden sind Gold

Montag, 30. November 2009, von Bella

PowerPoint diskutieren jetzt immer mehr Leute. Als Diaprojektor ist es gut. Dann sehen alle, was sie sehen sollen. Nicht gut ist, wenn sie sehen, was sie hören sollen. Dann sehen die Folien aus wie Notizen zu dem, was einer sagen will. Zum Beispiel so:

Mehr Dosen Futter pro Tag
Wenn Folien so aussehen: weglassen.

Viele lesen dann ihre Notizen vor. Langsamer als die Leute selber lesen. Weil: Lesen geht schneller als hören. Man betet, dass die nächste Folie kommt. Die am liebsten die letzte ist.

Notizen hat man in der Jackentasche. Nur im Notfall holt man sie raus. Zeigen tut man sie keinem. Und bestimmt nicht allen. Folien, die aussehen wie Notizen, lässt man weg.


Stattdessen: so gucken.

Eine Regel ohne Wenn und Dann

Sonntag, 15. November 2009, von Bella

6 Gründe für Urlaub. 2 Jahre. 2 Landesteile. 24 Zahlen. Klingt einfach. Ist es nicht. An diesem Diagramm kann man viel überlegen.

Urlaubsmotive der Deutschen - Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 43, 25.10.2009, S. 24
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 43, 25.10.2009, S. 24

Nähe verbindet: Die Überschrift verbindet sich mit allen ersten Balken. Sie wird selbst grafisch. Soll sie aber nicht. Sie gilt für vier Balken.

Zeit ist waagrecht: Hatten wir schon. Hier ist Sinken eine Bewegung nach links. Versteht das Auge schwer.

Mann mit Hut: Zwei Männer stehen nebeneinander. Der kleinere trägt Zylinder. Wie klein ist der Kleine? Zahlen rechts am Balken: hier besser nicht.

Farbe gruppiert: In der WAMS alle Werte für 1991 und alle Werte für 2008. Kann gut sein. Hier ist es nicht so gut.

Karos sind out: Streifen im Hintergrund sind lustig. Und vermindern die Lesbarkeit.

Das wichtigste aber: Grund, Jahre, Jahresveränderung, Landesteil, Ost-West-Unterschied – alles ist in die Senkrechte gepackt. Das ist zu viel.

Urlaubsmotive der Deutschen - Redesign als Grafische Tabelle
Quelle: DeltaMaster

Meine Regel: Nutze zwei Blickachsen, senkrecht und waagrecht, wo es hilft. Funktioniert nicht immer. Hier aber ganz gut.

Gestern ist links

Freitag, 30. Oktober 2009, von Bella

Nur in Sanduhren läuft die Zeit von oben nach unten. In Diagrammen nicht. Da läuft Zeit von links nach rechts. Es ist nämlich so. Nimm ein Diagramm mit waagrechter X-Achse und senkrechter Y-Achse. Die unabhängige Variable kommt immer auf die X-Achse. Dann weiß jeder: Die abhängige ist auf der Y-Achse. Das ist sehr praktisch. Wie die meisten Konventionen.

In der WAMS steht die Zeit senkrecht. Nicht schlimm. Aber auch nicht schön.

Milliardengeschäft mit den Mullahs
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 40, 04.10.2009, S. 36

Mich als Buch

Donnerstag, 15. Oktober 2009, von Bella

Ich mache ein Buch. Mit allen meinen Regeln drin. Es wird ein sehr schönes Buch. Es wird hoch und schlank. Wie ich. Das Titelbild könnte so aussehen. So wie links, wie in der Mitte oder wie rechts:

Mich als Buch

Bis Weihnachten soll es fertig sein. Wenn Du es zum Subskriptionspreis haben willst, kannst Du Dir ein Exemplar reservieren.

Jugendstil für Daten?

Dienstag, 15. September 2009, von Bella

Du liebe ZEIT. Das hab ich nicht gemeint. Mein Handkritzel-Design war aus der Not geboren. Eures ist mit Anlauf.

Das Lehrstellen-Drama: Die Zahl der Ausbildungsplätze sinkt; Differenz gegenüber dem jeweiligen Vorjahr. - Quelle: DIE ZEIT 19/2009 vom 30.04.2009 Die Milliarden-Lücke: Kranken- und Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung. - Quelle: DIE ZEIT 20/2009 vom 07.05.2009 Der Vertrauensbonus: Welches europäische Land hat Ihrer Meinung nach die besten Voraussetzungen, um aus der Krise herauszukommen? - Quelle: DIE ZEIT 25/2009 vom 10.06.2009

Dreimal Krikelkrakel aus der ZEIT. Soll man wohl nicht wichtig nehmen?
Quelle: DIE ZEIT Nr. 19 vom 30.04., Nr. 20 vom 07.05., Nr. 25 vom 10.06.2009.

Lustig: Wir nehmen den Computer, damit es aussieht wie von Hand. Sogar die Handschrift ist eine Computerschrift.

Für mich signalisiert handgemalt und handgeschrieben: Liebesbrief. Poesiealbum. Kinderbuch. ABC-Schütze. Einkaufsliste. Entwurf. Skizze. Urlaubsgruß. Notiz. Also eher: Vorläufig. Eilig. Unfertig. Nebenbei. Grob. Ungenau. Vielleicht fehlerhaft. Ungeprüft. Einmalig. Spontan. Und jung.

Alle wollen jung. Mir egal. Daten nicht.

Nebenboulen

Sonntag, 30. August 2009, von Bella

Wir machen gerade Urlaub in Frankreich. In Frankreich spielt man Boule. Mit dem Nachbarhund habe ich auf den Ausgang gewettet. Ich habe mir fünf Würfe von jedem angesehen und nachgemessen.

Ich beim Boule spielen

Ich habe seinen Rat beherzigt. Und die kompletten Verteilungen aufgemalt. Nicht nur die Mittelwerte. So weit waren die Kugeln vom Cochon weg. In Zentimeter.

Alle Werte und Mittelwerte

Jetzt sehe ich mit bloßem Auge:

Ausreißer
Den besten Einzelwurf hatte er. Eine Schwalbe? Ein Sommer?

Happy hatte ein paar solide Würfe. Aber auch den allerschlechtesten. Könnte ein einmaliger Ausreißer sein. Oder ein Hinweis, dass seine Leistung nicht stabil ist.

Mittelwerte
Hannes und Bimpfi liegen nah zusammen. Er und Baui auch. Hm. Das reicht mir noch nicht.

Streuung
Bauis Würfe streuen weniger als seine. Und die Mittelwerte unterscheiden sich nur um 1 Zentimeter. Daher Platz 3 statt 4 für Baui.

Bimpfi spielt sehr solide mit mäßiger Streuung. Hannes toppt alle: Der Mittelwert ist der niedrigste, die Streuung auch.

Ich habe auf Hannes gesetzt. Er hat gewonnen.

Bond Reporting Standards

Samstag, 15. August 2009, von Bella

Er meint: Wenn man Zahlen hat, soll man die auch sagen. Und nicht stattdessen von „Absturz“ und „sattem Plus“ und „Talfahrt“ und „Höhenflug“ jaulen. Sonst glaubt einer, es ist 70 %, und der nächste glaubt was anderes. Also: Die Controller dürfen sich nicht bei den Zeitungen anstecken. Müssen sie auch nicht, sagt er. Sie haben ja die Zahlen.

Matt sagt dasselbe. Ungefähr. Er hat uns eine Grafik dazu gezeigt. Sherman Kent hat die gemalt. Schon vor 40 Jahren. Ein Geheimagent aus Amerika. NATO-Offiziere mussten schätzen, wie viel Prozent er meint, wenn er sagt, es ist „highly likely“ oder „probably“ oder „unlikely“ oder „highly unlikely“ usw.:

Measuring Perceptions of Uncertainty
Quelle: Richards J. Heuer, Jr.: Psychology of Intelligence Analysis, Langley 1999, S. 155.

Oha. Ganz schön gefährlich. Da ging es ja um Militärisches. Wenn einer von der CIA dem Präsidenten sagt, die Bösen kommen „probably“. Und der Präsident versteht, na ja, also vielleicht mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 %. Und die CIA meinte aber 75 %: Puh.

Der Sherman meinte, deswegen muss es Standards für die Sprache in Geheimdienstberichten geben:

Certain 100 %  
Almost certain 93 % +/- 6 %
Probable 75 % +/- 12 %
Chances about even 50 % +/- 10 %
Probably not 30 % +/- 10 %
Almost certainly not 7 % +/- 5 %
Impossible 0 %  

Kann sein. Jedenfalls: Regeln sind gut. Jaulen ist schlecht.

Kollapsteralschaden

Donnerstag, 30. Juli 2009, von Bella

Die Steuereinnahmen kollabieren. Sagt das Handelsblatt. Er findet, 9 Prozent Minus und Kollaps passen nicht zusammen. Ich hab den Artikel auch gelesen. Und wär fast kollabiert: Deutungspriorität nicht verstanden. Noch mal: Bei Säulen interpretiert man die Längenunterschiede als Wertunterschiede. Darum: Abschneiden verboten. Oder: Linien statt Säulen nehmen.

Hat das Handelsblatt nicht gemacht. Siehe links. Müsste es aber. Siehe rechts.

Zenit überschritten - Steuereinnahmen in Mrd. Euro. Quelle: Handelsblatt Nr. 131 vom 13.07.2009, S. 3
Quelle: Handelsblatt Nr. 131 vom 13.07.2009, S. 3; Redesign: von mir.

Jetzt war ich ein bisserl misstrauisch und habe die Quelle (PDF) nachgeschaut. Dort gibt es zwei Schätzungen mehr. Hm.

Grafik aus dem Handelsblatt Nr. 131 vom 13.07.2009, S. 3, erweitert um die Schätzwerte für 2012 und 2013
Quelle: von mir.