3-Dämlich

Freitag, 30. Juli 2010, von Bella

Papier ist Flachland. Häuser stehen in 3D-Land. Damit 3D-Land auf Papier zu sehen ist, hat man Perspektive erfunden. Mit der muss man gut umgehen. Sonst sind die Häuser schief. Und manchmal stimmen nicht mal die Türen.


Fotos von Hannes und Bimpfi.

In der Tür links kann auch ein Lego-Mann nicht stehen. Weil die Perspektive falsch ist. Rechts sieht man, wie’s wirklich ist.

Zahlen kommen aus Flachland. Und bleiben auch besser da. Sie sind größer oder kleiner, früher oder später, aber nicht vorne oder hinten.

Abb. 25: Beratungssegmentierung bzw. -aufgabenabgrenzung durch Absprache. Quelle: Witt, Frank-Jürgen, Witt, Kerin, Controller's Wettbewerb Teil 2. In: Controller Magazin 35 (2010) 2, S. 19-25, hier S. 25.
Quelle: Witt, Frank-Jürgen, Witt, Kerin, Controller’s Wettbewerb Teil 2,
Controller Magazin 35 (2010) 2, S. 19–25, hier S. 25.

Wenn Zahlen vorne und hinten sind, erkennt man kleiner und größer nicht mehr. So wie hier.

Stricheleinheiten

Donnerstag, 15. Juli 2010, von Bella

Manchmal hat man wenig Daten. Die man an vier Pfoten abzählen kann. Es ist gut, das zu zeigen. Zum Beispiel so wie im Wall Street Journal. Das fragte 52 Ökonomen, woher die nächste Finanzblase kommt. Jede Meinung ist ein Kästchen. Er fand das auch gut.

Emerging risk – Responses to the survey question: Please rank the potential asset bubbles from most likely to least likely. - Quelle: Wall Street Journal, 13.11.2009, Seite 9.
Quelle: Wall Street Journal, 13.11.2009, Seite 9.

Schlecht ist, wenn gestrichelt wird, wo nichts zu zählen ist. So wie hier.

Krisenbewältigung. - Quelle: Handelsblatt, Nr. 240, 11.12.2009, Seite 17.
Quelle: Handelsblatt, Nr. 240, 11.12.2009, Seite 17.

Je dunkler, desto treff

Mittwoch, 30. Juni 2010, von Bella

Gerade ist WM. Deutschland hat gegen England gespielt. Und gewonnen. 4 : 1. Ohne Verlängerung, ohne Elfmeterschießen. Die Engländer mögen keine Elfmeter. Darüber wurde viel diskutiert. Wohin schießen? Oben, unten, Mitte, rechts, links?

Treffer beim Elfmeter. Quelle: Die Welt, 26.06.2010, S. 25.
Ergebnisse aus einer Studie von 626 Elfmetern.
Zahl oben: Trefferquote. Zahl unten: Anzahl der Schüsse.
Quelle: Die Welt, 26.06.2010, Seite 25.

Die Idee einer Grafik: das Auge leiten. In der Welt-Grafik klappt das nicht so gut. Weil die Trefferquoten in Flächen versteckt sind. Die man nicht gut unterscheiden kann. Mit Torten in hell und dunkel geht es besser.

Redesign: ich.

Hier sogar besonders gut. Schau mal: Die Tortenstücke ergänzen sich. Weiß zu weiß, dunkel zu dunkel. Wir sehen Zonen. Wo man besser hinschießen soll. Am besten: unter die Latte. Am zweitbesten: rechts vom Torwart. Am drittbesten: links vom Torwart.

Relativ gleich

Dienstag, 15. Juni 2010, von Bella

Unser Auge versteht Linien so: flache Linie = wenig Veränderung. Schräge Linie = mehr Veränderung. Sehr schräge Linie = viel mehr Veränderung.

Hier geht das schief. Man meint nämlich, rechts steigt stärker als links. Ist aber nicht so.

Weil die Skalen willkürlich sind. Und nicht zusammenpassen. Wie jeden Tag in vielen Zeitungen. Zum Beispiel in der FTD.

Hier klappt es:

Warum? Weil beide Skalen die gleiche relative Veränderung umfassen:

(12–8)/8 = 0,5. Und (120–80)/80 = 0,5.

Weil die Skalen willkürlich sind. Und nicht zusammenpassen. Wie jeden Tag in vielen Zeitungen. Zum Beispiel in der FTD. Und der SZ. Und. Und. Und.


Quelle: SZ, Nr. 137, 18.06.2010, Seite 22.

Es grünt so blau

Sonntag, 30. Mai 2010, von Bella

Mit Rot war ich streng. Weil es ein Signal für schlecht ist. Was malen wir für gut? Grün? Kann man nehmen. Blau? Kann man auch nehmen. Mit Farben für gut bin ich großzügig. Deswegen: Die Grafik ist okay. (Die Zahlen nicht: Es wurde ungewichtet addiert.)


Quelle: FAZ, Nr. 288, 11.12.2009, Seite 11.

Mit Grün bin ich vorsichtig. Bloß weil etwas größer null ist, ist es noch nicht gut. So aber versteht man Grün. Meistens.

Deckungsbeitragsrechnung in DeltaMaster, mit Business-Intelligence-Färbung in Blau und Rot Deckungsbeitragsrechnung in DeltaMaster, mit Business-Intelligence-Färbung in Grün und Rot
Quelle: DeltaMaster.

Nur die Not ist rot

Samstag, 15. Mai 2010, von Bella

Man sagt es doch so: Ein Unternehmen schreibt schwarze Zahlen. Oder rote. E.ON malt alle Zahlen rot. Als Säulen, als Balken, als Linien.

Adjusted EBIT development - E.ON Performance and streamlining

Investitionen. Preise. Dividenden. Kapazitätsausweitung. Kapazitätsverringerungen. Norwegen. Deutschland. Eigene Zahlen. Fremde Zahlen. Positive Veränderungen. Negative Veränderungen.

Big six1 2009 monthly gas consumption y-o-y - E.ON Performance and streamlining
Quelle (beide): E.ON AG (Hrsg.), Performance and streamlining, April 2010; PDF.

Warum? Wegen der Corporate Identity. Und die CI von dem Konzern ist rot. Ich bin so streng, weil rot eine besondere Farbe ist. Ein Signal für schlecht. Versteht jeder. Sofort. Signale für gut sind schwieriger. Was ist gut, was ist normal?

Die aus dem Marketing sollen Werbung machen. Aber kein Controlling.

Der Tod steht ihr nicht gut

Freitag, 30. April 2010, von Bella

Hingucker machen ist erlaubt. Aus Daten Grafiken machen: sowieso. Aus Daten Hingucker machen: muss man können. Geschmack hilft. Und Pietät.

Die fünf häufigsten Todesursachen innerhalb eines Jahres, in Ländern mit niedrigem Einkommen und Ländern mit höherem. - Quelle: Die Zeit, Nr. 45, 29.09.2009, S. 34.
Quelle: Die Zeit, Nr. 45, 29.09.2009, S. 34. Klick zum Vergrößern.

Der Text zur Grafik will, dass wir uns um Kranke kümmern. Auch in armen Ländern. Aus Krankheit wird Clipart. Aus Kranken werden Schwell‑ und Schrumpfmännle. Rot und glänzend. Kreuze als Schatten.

Lieber logisch als modisch

Donnerstag, 15. April 2010, von Bella

Einfach finde ich gut. Aber nicht einfacher. Einige Verkehrszeichen bei uns wurden neu. Und moderner. Und unlogischer. Weil Details fehlen. Es ist wie bei Schrift. Die ist gut lesbar, wenn sich die Buchstaben in vielen Details unterscheiden.

Zeichen 142: Wildwechsel, alt Zeichen 142: Wildwechsel, neu

Das Reh ist in Ordnung. Es ist nur dicker geworden. Ich finde dicker gut. Es springt immer noch genauso schön. Und genauso hoch. Zack! In die Scheibe. Aufpassen!

Zeichen 151: Unbeschrankter Bahnübergang, alt Zeichen 151: Unbeschrankter Bahnübergang, neu

Im Verkehr ist quer schwer. Der Zug am alten Bahnübergang ist altmodisch. So altmodisch wie das Diskettensymbol fürs Speichern. Der Zug wurde moderner. Aber er kommt auf Dich zu. Schräg von vorn. Springt der ICE jetzt regelmäßig aus den Gleisen? Vor allem am Bahnübergang? Hilfe!

Zeichen 138: Radfahrer kreuzen, alt Zeichen 138: Radfahrer kreuzen, neu

Auch Fahrradfahrer sind quer schwer. Früher. Heute sind Fahrräder gefährlich. Weil sie ohne Licht daher kommen. Ohne Pedale. Ganz allein. Der Fahrer ist schon runtergefallen.

Zeichen 124: Stau, alt Zeichen 124: Stau, neu

Früher wurde vor Stau gewarnt. Viele Autos bremsen. Plötzlich wird’s ganz eng. Heute wird vor Kolonnen gewarnt. Alle dicht hintereinander. Keiner bremst.

Schlimm ist das nicht. Wir werden die neuen Zeichen schon lernen. Ein Vorbild für schlaues Design sind sie nicht. Übrigens: Gutes Design für Verkehrszeichen hat er in Neuseeland gefunden.

Flaggen-Origami

Dienstag, 30. März 2010, von Bella

Die Financial Times hat Flaggen gefaltet. Zu Häusle. Auseinandergeschnitten. Und verzerrt. Total. 11 ist fast so groß wie 22. Das mit den Flaggen ist gemein. Das mit der Skalierung gemeiner. Die Grafik ist schlecht und stimmen tut auch nichts. Auch gute Zeitungen muss man kritisch lesen. Man darf nicht blind vertrauen. Keiner Quelle. Egal, wie berühmt. Nicht mal mir.

Quelle: Financial Times, 11.12.2009, Seite 17

Quelle: Financial Times, 11.12.2009, Seite 17.

Pizza Sankt Martin

Montag, 15. März 2010, von Bella

Auf Torten hat er schon geschimpft. Ich auch. Aus vielen guten Gründen. Beschriftung schwierig. Flächenvergleich schwierig. Und so weiter. Eigentlich schade. Weil: Die Torte macht sonnenklar, mehr hat man nicht, was man teilen kann. Sie zeigt jedem schnell: Ich bin hundert Prozent. Die kennt man aber selten.

Schön, wenn eine Torte doch mal funktioniert. Wie hier. Weil sie eine Pizza ist.

Wie man eine Pizza gerecht teilt. - Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr. 21, 27.01.2010, Seite 16.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr. 21, 27.01.2010, Seite 16. Klick zum Vergrößern.

Die Pizza sieht aus wie ein Diagramm. Ist aber keins. Die Pizza ist nur unbelegt. Salami, Champignons, Tomaten, Käse: spielt hier keine Rolle. Pizza so nah an der Wirklichkeit wie möglich. Aber nicht näher. Und wenn man eine Pizza teilt (falls ich zu langsam war), muss man tatsächlich Flächen schätzen.

Wer Pizza hat, malt Pizza hin. Wer Zahlen hat, lässt es besser sein.

Mich als Buch: fertig

Montag, 1. März 2010, von Bella

Im Oktober habe ich gesagt: Ich mache ein Buch. Da war noch viel zu tun. Layout. Litho. Texte durchsehen. Quellen prüfen. Material und Ausstattung festlegen. Drucker finden, der mein schönes Fell schön drucken kann. Probedrucken. Noch mal probedrucken. Drucken. Binden. Und viele andere Arbeiten. Jetzt ist mein Buch da. Es ist schön geworden.
Hier kannst Du reinschnuppern. Und es bestellen.

Ich in der Druckerei.
Vor vier Wochen haben wir gedruckt. Hier passe ich auf. Dass alles richtig wird.

Verkantet

Montag, 15. Februar 2010, von Bella

Perspektive ist: Du willst einen Raum zeigen. Auf Papier. Also in 2D. Soll aber wie ein Raum aussehen. Also 3D. Perspektive ist auch: Wie groß etwas ist, wenn es soundso weit weg ist. Und umgekehrt. Funktioniert toll.

Big bailout: The U.S. has spent about $121 billion so far to support AIG. - Quelle: Wall Street Journal Europe, 28.12.2009, Seite 14.
Quelle: Wall Street Journal Europe, 28.12.2009, Seite 14.

Schau Dir die Wolkenkratzer an. Funktionieren auch toll. Manhattan? Komisch: Die Wolken­kratzer stehen nicht an derselben Straße. Wo stehen sie? Macht uns wirr. Ist der vierte halb so hoch wie der zweite? Müsste er sein. 17 und 34. Sieht irgendwie anders aus. Wegen der Perspektive nämlich. Wir sollen Kantenlängen vergleichen. Dafür reicht eine Kante. Hier sind’s acht zu viel.

Außerdem sieht es aus wie eine Zeitreihe. Ist aber keine.

Blamage mit Collage

Samstag, 30. Januar 2010, von Bella

Bild und Zahl kann gut sein. Hier geht es um den Stuhl, den man sieht.

Bild und Zahl kann schlecht sein. Der nette Herr könnte auch bei Ford arbeiten. Oder Mercedes. Oder. Oder. Oder.

Bild ohne Zahl kann gut sein. Aha. So sieht es in einem Hackerspace aus. Wusste ich nicht. War da noch nicht.

Bild ohne Zahl kann peinlich sein. Unter dem Bild steht: Budweiser will mehr verkaufen. Ein Barmann schenkt ein Bier ein. In Brüssel. Na sowas.

Quelle: Wall Street Journal Europe, 13.11.2009, Seite W9, Seite 2, Seite 14, Seite 8.

Mit dem Fell steht und fällt der Druck

Donnerstag, 21. Januar 2010, von Bella

Mein Buch sollte bis Weihnachten fertig sein. Ich wurde probegedruckt. Mein schönes Fell war ganz stumpf. Abgesoffen, sagen die Drucker. Jetzt lernen Druckerlehrlinge an mir, wie man schwarze Sachen so druckt, dass sie gut aussehen.

Bald ist mein Buch fertig. Wirklich. Glaube ich. Auf jeden Fall wird es sehr schön.

Grafiken sind nicht Hase und Igel

Freitag, 15. Januar 2010, von Bella

Er hat über das Wall Street Journal geschrieben. Die europäische Ausgabe. Und das Facelift vom 17.11.2009. Ha. Da hätte er mal in die Ausgabe vom 13.11.2009 schauen sollen:

A comparison of Samsung and key competitors in several markets. Quelle: Wall Street Journal Europe, 13.11.2009, S. 26.
Quelle: Wall Street Journal Europe, 13.11.2009, S. 26.

Du musst Überhänge addieren, um das zu verstehen. Die Farben sind nicht besser. Du musst lernen: Samsung ist immer oben. Hat aber eine andere Farbe. Dieselbe wie der Wettbewerber. Der ist aber gekreuzelt. Die Balken vom Wettbewerber sind am Ende blass. Musst Du trotzdem addieren. Dann lese ich halt nur die Zahlen. Jetzt muss das Auge links-rechts, links-rechts, links-rechts, links-rechts.

Hätte der Grafiker auch verdient. Einmal links, einmal rechts. Kräftig.